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  Referat

Referat Sturm und Drang, ‚ Die Räuber‘ und Friedrich Schiller als Stürmer und Dränger   Der berühmte Spruch ‚Auf die Bäume, ihr Affen!‘ hat einen ernsten philosophischen Ursprung:Jean-Jacques Rousseaus Aufforderung ‚Zurück zur Natur!‘   Rousseau (1712 – 1778) lehnte Kultur grundsätzlich ab, da seiner Meinung nach nur der Mensch im Naturzustand wirklich glücklich sein könne.   Rousseaus Ideen wurden in Deutschland Grundlage eines neuen geistigen Lebensgefühls junger Schriftsteller. Die davon geprägte sogenannte Sturm und Drang – Periode zwischen 1767 und 1785 ist gekennzeichnet von der Auflehnung gegen Konvention und Autoritäten und der Betonung von Phantasie und Gefühl.   (Der Name Sturm und Drang geht auf ein gleichnamiges Drama von Klinger zurück.)   Der Sturm und Drang grenzt sich gegen die Aufklärung ab.   Statt der alles beherrschenden ratio stellen die Dichter des Sturm und Drangs Herz, Gefühl und Ahnung in den Vordergrund.

Sie sehen Natur nicht mehr als wissenschaftliches Objekt an, sondern als lebendigen, sich entwickelnden Organismus, dem auch der Mensch angehört. Alle Naturerscheinungen sind für sie Ausfluss göttlichen Wirkens (sog. Pantheismus).   Sie setzen auf den urwüchsigen Naturmenschen, der nicht von der Kultur verbildet, sich selbst entfremdet ist. Kunst soll nicht mehr zweckgerichtet sein, sondern ursprünglich, symbolisch, genialisch.   Hauptanliegen der Dichtung der Dichtung des Sturm und Drangs sind folgende:   - Der Protest gegen konventionelle Lebensformen, Traditionen und erstarrte Religiosität.

  - Die Forderung nach Freiheit des Individuums, nach unkonventioneller, natürlicher Lebensweise sowie die Entfaltung von Gefühl und Phantasie.   - Der Kampf für die politische Freiheit und die Verwirklichung der Menschenrechte.   - Der Kampf gegen die bestehende Gesellschaftsordnung mit ihren Zwängen und gegen soziale Ungerechtigkeit.   - Der Kampf für die Freiheit der Liebe, gegen deren Beschränkungen durch Standesunterschiede und doppelbödige Sexualmoral.   - Die Anerkennung des Gefühls als höchster Daseinswert. Da das Gefühl dem menschlichen Bewusstsein Dinge vermitteln kann, die der Verstand nicht faßt und alle seelischen Kräfte des Menschen entfalten kann, ist das Gefühl für die Stürmer und Dränger wesentlicher Ausdruck des Naturhaften im Menschen und deshalb unmittelbare Verbindung mit dem Göttlichen.

  - Die Anerkennung des ‚Genies‘ als Idealfigur, des Dichters und auch Menschen, der ganz von Intuition und Spontaneität geprägt ist. Diesem Genie ist es erlaubt, alte Formen zu zerschlagen und aus sich heraus neue Gesetze zu schaffen. Prometheus ist das Urbild des Originalgenies, Homer, Pindar und Shakespeare werden als große Originalgenies gefeiert.   - Das Interesse an der Geschichte des eigenen Volkes und der Volkspoesie ( Historismus). ‚Je entschiedener unsere Werke deutsch und modern sind, um so verwandter werden wir den Griechen sein. Was uns ihnen gleich machen kann, ist allein die gleiche unbefangene, geniale Schöpferkraft.

‘ (so Herder )     Ein berühmtes Drama des Sturm und Drangs sind ‚Die Räuber‘ von Friedrich Schiller.   Die Handlung des 1781 erschienen Werkes ist - nüchtern erzählt - folgende:   Der alte Graf von Moor hat zwei grundverschiedene Söhne. Karl, der Erstgeborene, ist schön, gut gebaut, beliebt und genial. Franz dagegen ist eher häßlich, unbeliebt und ein düsterer Charakter. Er hasst seinen Bruder, den Natur und Gesellschaft in jeder Hinsicht bevorzugten und will an seine Stelle treten. Als Karl seinem Vater brieflich Studentenstreiche und seine Reue darüber gesteht, unterschlägt Franz diesen Brief und liest statt dessen dem Vater ein selbstverfasstes Schreiben vor, in dem er Karl als flüchtigen, verfolgten Verbrecher darstellt.

Daraufhin verstößt und enterbt der Vater Karl. Diese Ungerechtigkeit führt zur Auflehnung von Karl gegen seine Familie und die ganze Gesellschaft.   Als Hauptmann einer Räuberbande will er die verlorene Gerechtigkeit in der Gesellschaft wiederherstellen und wird dabei zum Verbrecher.   Nach langer Zeit kehrt er von Heimweh getrieben heim, wo Franz den Vater im Hungerturm gefangenhält. Karl befreit den Sterbenden. Von Reue und Verzweiflung gequält bringt sich Franz um.

Amalia, Karls Braut, war ihm unverbrüchlich treu geblieben und hatte Franz mehrfach eine Abfuhr erteilt. Sie bittet nun Karl um den Tod, da sie mit ihm wegen seines Treueschwurs für die Räuber keine Zukunft mehr sieht. Karl erdolcht sie, erklärt sich dadurch für vom Treueid befreit und stellt sich freiwillig den Gerichten, um so die von ihm gestörte sittliche Weltordnung wiederherzustellen.   So – wie gesagt – nüchtern die Handlung der Räuber.   Aus Sturm und Drang – Sicht geschildert, hört sich der Inhalt der Räuber ganz anders an:   Der Held Karl, voll glühenden Verlangens nach Freiheit, Tat, Kraft und Größe, ein ‚edler Verbrecher‘, wird vom entarteten Zeitalter zum Rebellen gegen die Gesellschaft und aus ‚sittlicher Verzweiflung‘ zum Führer einer Bande von ‚Libertinern, nackten Banditen’ gemacht. Karl, dem Verbrecher aus Empfindung, steht sein Bruder Franz als zynischer Verbrecher aus Verstand gegenüber.


Das Stück konfrontiert uns mit revolutionären Angriffen auf die Zustände am Hof und die Gesellschaftsordnung, mit dem Gegensatz von Ich und Gesellschaft, Genie und Kastraten-Jahrhundert, von Natur und Kultur, von Gefühl und Konvention. Nur ‚die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus‘. Am Schluss erfolgt das äußerliche Einlenken des Verbrechers aus verirrtem Idealismus, da der Aufstand der Sozialrebellen ‚den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grund‘ hätte gehen lassen können. Er liefert sich freiwillig an die Gerichte einer im Grunde schlechteren Ordnung aus.   Schiller selbst schildert sein Stück in seinem Vorwort so:‘ Man trifft hier Bösewichter an, die Erstaunen abzwingen, ehrwürdige Missetäter, Ungeheuer mit Majestät, Geister, die das abscheuliche Laster reizet um der Größe willen, die ihm anhänget, um der Kraft willen, die es erfordert, um der Gefahren willen, die es begleiten‘.   Die Aufführungen im Mannheimer Nationaltheater waren ein beispielloser Erfolg, die Wirkung des Stückes auf die Zuschauer war ungeheuerlich.

Ein Augenzeuge: ‚ Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten einer Ohnmacht nahe, zur Thüre. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus deßen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!‘,   Dieser sensationelle Erfolg des Stückes erklärt sich zusätzlich aus der Sturm und Drang – spezifischen Darstellung des Stückes auf der Bühne. Der Theaterkritiker K.A. Böttiger schilderte, wie der berühmte Schauspieler Iffland den Franz Moor spielte: ‚Mit grausend aufwärts gekehrtem, anfänglich glühend funkelndem, dann versteinert starrem Blick, mit gehobener, unbeweglich eingewurzelter Stellung, wobey die rechte hoch vorwärtsstrebende Hand Trutz, die linke krampfhaft gegen die Brust gedrückte Trutz anzukündigen schien, rief er: ‚ Rächet denn droben über den Sternen einer?‘ Nun eine Pause. – Leises, furchtsames, angsterpreßtes: ‚Nein!‘ – Neue Pause.

Der gefürchtete Donnerschlag schmettert nicht herab. – Dem Gottesläugner wächst der frevelnde Muth. – ‚Nein!‘ brüllt er zum zweyten Mal knirschend, mit geballter Faust gegen den Himmel und mit hörbar aufgestapftem Fuße. –Nun hatte er auch den über den Sternen erschlagen. Aber da packt ihn plötzlich die ganze Hölle. Die Haare sträuben sich empor, die Knie schlottern vorwärts eingebrochen.

- Eine Pause der gefühltesten Vernichtung! – Ein Blitzstrahl durchkreuzt die umnachtete Seele, worin ihm der Weltrichter mit der am Himmel aufgehangenen Waage erscheint. –‚Wenn’s aber doch wäre?‘ murmelt, röchelt es tief heraus aus der Brust – ‚Wenn‘ s dir vor – ge – zählt ( dieß Wort in drei Halte geteilt ) würde! Diese Nacht noch!‘   Die Räuber sind das erste Drama Friedrich Schillers, an dem er mit 16 Jahren zu schreiben begann. Nach den Räubern veröffentlichte er noch zwei weitere Sturm und Drang - Dramen, nämlich 1783 ‚Die Verschwörung des Fiesco zu Genua‘ und 1784 ‚Kabale und Liebe‘ .   Wie haben wir uns das Leben dieses jungen Dichters des Sturm und Drangs vorzustellen, was war er für ein Mensch, wie entstanden die Räuber? (Die weitere Entwicklung Schillers zum Klassiker gehört nicht mehr in den Rahmen dieses Referats) FOLIE   Schiller wurde am 10.11.1759 in Marbach am Neckar geboren.

Sein Vater Johann Kaspar war damals Wundarzt, seine Mutter Elisabeth Dorothea war die tiefgläubige Tochter des Löwenwirts. Friedrich, ein schwächliches Kind, lebte die ersten vier Jahre allein mit seiner Mutter und seiner zwei Jahre älteren Schwester Christophine. Der Vater, als herzoglich-württembergischer Offizier im siebenjährigen Krieg, war in bitterer Armut aufgewachsen, betete bei Friedrichs Geburt: „Oh Wesen aller Wesen. Dich habe ich gebeten, dass du meinem einzigen Sohn an Geistesstärke zulegen möchtest, was ich aus Mangel an Unterricht nicht erreichen konnte“. 1764 siedelte die Familie nach Lorch um. Friedrich war schmal gebaut, hatte dünne rotblonde Haare, eine breite Stirn, viele Sommersprossen auf der weißen Haut und zwinkerte aus hellblauen, empfindlichen Augen.

Er war ein freundliches, lebhaftes Kind und ein lustiger Spielkamerad. Der Vater hielt ihn zu eifrigem Lernen an, war dabei streng und ungeduldig und hatte kein Verständnis, wenn sein Sohn einmal spielen wollte. „Große Ehrfurcht vor seinem Vater bewog ihn vorzüglich zum Fleiß,“ so ein Mitschüler. Die Mutter glich die Strenge des Vaters aus. Friedrich hörte auf die leisen, zärtlichen Ermahnungen der Mutter, wenn der Vater zu ernst und streng sein Leben nach seinen Ansichten vorzeichnen wollte. Der Widerstreit der väterlichen und der mütterlichen Erziehung führte zu der Formel des erwachsenen Friedrich, dass der Mensch nur dann wirklich Mensch sei, wenn er spiele.

Mit seinen eigenen Kindern tat er das lange und ausdauernd: er machte ihnen den Löwen, ließ seine langen, roten Haaren als Mähne flattern und ließ sie reiten. 1766 zog die Familie nach Ludwigsburg, der Residenzstadt des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, wo als drittes Kind Luise geboren wurde.   Friedrich ging auf die Lateinschule, da er Theologie studieren sollte.   Auf Befehl des Herzogs besuchte er ab 1773 die Karlsschule, eine herzogliche Militär- und Beamtenschule auf Schloss Solitude bei Stuttgart, wo er Jura studierte. Unter den Schulen Deutschlands im 18. Jahrhundert war die Karlsschule die ‚modernste und umfassendste Erziehungsanstalt und Universität ihrer Zeit‘ (Robert Uhland).

  Strenge militärische Disziplin verband sich hier mit fortschrittlichem Unterricht.   Friedrich fiel zwar stets durch eine stolze Haltung auf, selten aber durch Reinlichkeit und Gefälligkeit des Äußeren, die in der Schule äußerst ernstgenommen wurden. Er wünschte den Zopf zum Henker und wurde wiederholt wegen Unreinlichkeit abgemahnt.   Der intelligente, wissbegierige Jungen erhielt gründlichsten Lateinunterricht, dazu Unterricht in Moral, Geographie, Geschichte, Religion sowie Griechisch. Er lernte Französisch, Mathematik, Geometrie, Naturkunde, Musik, Zeichnen, Reiten, Fechten und Tanzen. Ab dem 2.

Jahr wurden zusätzlich römisches Recht, Rechtsgeschichte, Naturrecht, Statistik, Philosophie sowie intensiver Französisch und Mathematik gelehrt.   In dieser Zeit wuchs Friedrich schnell und war häufig krank. Er entdeckte Goethe, las den Werther und Clavigo und widmete nach Aussagen von Mitschülern all seine Zeit, selbst auf Spaziergängen, dem Studium der Poesie. Trotz schlechter Leistungen hält ich der Herzog selbst an der Schule: ‚Laßt mir diesen nur gewähren, aus dem wird etwas.‘   Als 1775 die Schule nach Stuttgart verlegt wurde, wechselte Friedrich von Jura zu Medizin. Dabei blieb der geisteswissenschaftliche Unterricht ungeschmälert neben dem medizinischen.

Friedrich war nun hingerissen vom Unterricht seines Lehrers Abel. Abel:“ Ich war gewohnt, bei Erklärung psychologischer Begriffe Stellen aus Dichtern vorzulesen, um das Vorgetragene anschaulicher und interessanter zu machen....insbesondere auch, als ich den Kampf der Pflicht mit der Leidenschaft oder einer Leidenschaft mit einer anderen Leidenschaft erklärte.

“ Als Abel aus Shakespeares Othello las, „richtete sich Schiller auf und horchte wie bezaubert“. Er bat Abel um die Bücher und las und studierte von nun an Shakespeare mit ununterbrochenem Eifer‘.   Inzwischen hatte der Siebzehnjährige einen Kreis von Freunden, die wie er für Dichtung schwärmten und versuchten, großen Dichtern nachzueifern. Neben der Schullektüre schmuggelten die Freunde Literatur in die Schule, jeder dichtete. Sein Freund Scharffenstein: „Man träumte schon vom Edieren, Druckenlassen usw. Jeder sollte etwas machen.

Schiller machte ein dramatisches Stück tragischen Inhalts. ...ich ein Ritterstück. Wir rezensierten uns nachher schriftlich, wie natürlich auf das Vorteilhafteste.

“ Irgendwann in dieser Zeit, also 1776 etwa, begann er die jahrelange Arbeit an seinem ersten Drama, den Räubern.   Als Vorbilder verarbeitete er Robin Hood, den edlen Räuber Roque aus ‚Don Quijote‘, die Erzählung ‚Zur Geschichte des menschlichen Herzens‘ von Schubart, eine Geschichte krass ungleicher Brüder, sowie Schwabens berühmtesten Räuber, den Sonnenwirt Schwahn von Ebersbach, den sein Lehrer Abel noch persönlich gekannt hatte   Friedrich konnte nur heimlich nachts im Schlafsaal schreiben. Das schwache Licht der Talglampe störte die Mitschüler weniger als die Art, wie er seinen Text niederschrieb, nämlich ‚unter Stampfen, Schnauben und Brausen‘ . Dabei nahmen seine Kameraden laufend und intensiv Anteil am Fortschritt des Dramas. Immer wieder sonderten sich die Freunde beim Spazierengehen ab und liefen zum Bopser, einer Waldhöhe über Stuttgart. Dort deklamierte Friedrich aus dem heimlich mitgenommenen Manuskript den Text laut und wild und übersteigert.

Die Kameraden waren immer wieder völlig hingerissen.   Immerhin sprach Friedrich breites Schwäbisch und trug fürchterlich vor. Seinen Fiesco las er später in Grund und Boden. Ein Zuhörer: „Wissen sie, was schuld daran ist, daß ich und alle Zuhörer es für das elendste Machwerke hielten? Schillers schwäbische Aussprache und die verwünschte Art, wie er alles deklamiert! Er sagt alles in dem nämlichen hochtrabenden Ton her...

“ Friedrich selbst hielt sich für begnadet, „ indem eigentlich doch niemand so deklamieren kann wie ich.“   Die Räuber vertrugen offenbar Friedrichs Vortragsweise oder aber nicht einmal diese konnte dem Text etwas anhaben.   1781 waren die Räuber schließlich vollendet, wegen des Umfangs allerdings ein reines „Lesedrama“, das Schiller auf eigene Kosten drucken ließ.   Für die Uraufführung in Mannheim 1782 musste das Stück umgeschrieben werden. Danach hatten die Räuber immer noch Überlänge und spielten zur Vermeidung politischer Irritationen in der Reichsritterzeit des 16.Jahrhunderts.

  Schiller nahm ohne Erlaubnis an zwei Aufführungen in Mannheim teil und bekam wegen außenpolitischer Probleme mit der Schweiz, das sich in dem Stück übel erwähnt fühlte, vom Herzog schließlich Schreibverbot.   Deshalb floh er am 23.September 1782 aus seiner Heimat. Er hatte sich für ein Leben als Schriftsteller entschieden.     ©Roland Beyerle, München, 2001-xxxx

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