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  Niccolò machiavelli - der fürst

Niccolò Machiavelli - Der Fürst Christian Ilaender 9. September 1996 Freie Literatur Im Rahmen der Freien Literatur sollen literarische und wissenschaftliche Texte aller Art der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich gemacht werden. Die Texte sind für den privaten Gebrauch bestimmt.Hinweis: Der folgende Text darf weitergegeben werden, solange die folgenden Regeln beachtet werden: Der Text darf nicht kommerziell genutzt werden. Der Text darf in keiner Weise verändert oder erweitert werden. Insbesondere darf dieser Hinweis nicht entfernt werden.

Alle Rechte an dem folgenden Text verbleiben beim Autor des Textes. Ein Abdruck oder anderweitige Veröffentlichung bedarf unbedingt der Einwilligung des Autors. Eigene Veröffentlichungen im Rahmen der Freien Literatur sollten im Aufbau diesem Dokument ähneln und insbesondere den obigen rechtlichen Hinweis und ein kurzes Vorwort enthalten. Vorwort:Bei dem folgenden Text handelt es sich um eine Zusammenfassung von Machiavellis Der Fürst. Ich, ein zwanzig jähriger Abiturient, der gerade seinen Zivildienst ableistet, habe Machiavellis Text mit eigenen Worten verkürzt, aber (hoffentlich) sinngemäß, wiedergegeben. Danken möchte ich meinem Bruder Stephan und Melanie Siegmann, die mir beim Verfassen und Abtippen des Textes geholfen haben.

Mein Ziel ist es, dem geneigten Leser den oft zu unrecht verteufelten Machiavelli näherzubringen und ihn als Mann seiner Zeit (Renaissance) darzustellen. Inhalt Literatur Über dieses Dokument ...  Vorbemerkungen:Niccolò Machiavelli: Geboren am 3.5.

1469 in Florenz als Sohn eines Rechtsgelehrten. Beamtenlaufbahn im Dienst der Stadtrepublik Florenz. Dieses befreite sich 1494 vorläufig von der Herrschaft der Medici. 1497 wird Machiavelli in den Rat der Zehn gewählt, welcher dem Rat der Signorie, dem höchsten Organ, untergeordnet war. Später übernahm er dessen Vorsitz. Machiavellis Position führte viele Auslandsreisen im Namen Florenz mit sich, z.

B. an den Hof der römischen Kurie, nach Frankreich zu Ludwig dem XII., zu Kaiser Maximilian (Haus Habsburg) oder zu italienischen Kleinfürsten wie Cesare Borgia. Nach 14 Jahren Tätigkeit im Dienste seiner Heimatstadt kehrten die Medici nach Florenz zurück. Sie warfen Machiavelli unter dem Vorwurf der Verschwörung ins Gefängnis und ließen ihn foltern. Schließlich stellte sich seine Unschuld heraus.

1513 wurde Machiavelli auf sein Landgut verbannt und begann im selben Jahr mit der Niederschrift von DER FüRST. Obwohl die Medici 1527 erneut aus Florenz vertrieben wurden, wurde er (da er der Kollaboration mit den Medici verdächtigt wurde) nicht wieder in den Staatsdienst aufgenommen. Er verstarb im selben Jahr. Außerdem entstanden in der Zeit von 1513 bis zu seinem Tode am 22.6.1527 noch mehrere andere Werke: ABHANDLUNG ODER GESPRäCH üBER UNSERE SPRACHE, welche zum Ziel hatte, die toskanische Sprache als italienische Nationalsprache zu etablieren.

ABHANDLUNG üBER DIE ERSTEN 10 BüCHER DES TITUS LIVIUS, ein staatstheoretisches Werk mit Ähnlichkeiten und Unterschieden zu DER FüRST. MANDRAGOLA, eine bissige Komödie. L'ARTE DELLA GUERRA (DIE KRIEGSKUNST) Und im Auftrag von Giulio de Medici (des späteren Papsts Clemens VII.) DIE GESCHICHTE VON FLORENZ. Das Erscheinungsdatum von IL PRINCIPE (DER FüRST) ist 1532. Verfasst wurde der Text 1513.

Machiavellis DER FüRST ist im Laufe der Geschichte immer wieder, bewußt oder unbewußt, falsch interpretiert worden. Die abartigen Interpretationen von Machiavellis Werk lassen sich vergleichen mit der Pervertierung von Darwins Theorien. Zum Beispiel benutzten die Nazis eben diese beiden, um einen faschistischen Obrigkeitsstaat zu legitimieren. Machiavellis Werk aber muß streng in seinem geschichtlichen Kontext gesehen werden. Er verfasste es im angehenden 16. Jahrhundert in Italien.

Dieses war zerrissen in Kleinstaaten, Teilstaaten, Zwergkönigreiche, Fürstentümer und den Vatikanstaat. Verschiedene größere Staatsgebilde und mächtige Monarchen, wie der französische König Ludwig der XII. und der spanische König Ferdinand von Aragonien, versuchten in Italien einzufallen. Sie wollten sich Gebiete auf Kosten der ansässigen verfeindeten Geschlechter einverleiben. Machiavelli ist vordergründig von dem Nationalstaatsgedanken überzeugt. Überschrift Kapitel 26: Aufruf zur Befreiung Italiens von den Barbaren Dies war für seine Zeit geradezu visionär und revolutionär.

Machiavelli wünschte sich nichts sehnlicher als einen italienischen Nationalstaat, der groß und mächtig genug war mit den anderen Großmächten, wie Frankreich, England, Spanien und der Habsburger Monarchie konkurieren zu können. Wie weit Machiavellis Gedankengut seiner Zeit voraus war, zeigt sich darin, daß sein Traum eines italienischen Nationalstaates erst in den Jahren von 1861-1870 durch Guiseppe Garibaldi verwirklicht wurde. Wären Machiavellis Ideen verwirklicht worden, hätte Italien sicherlich schon vor dieser Zeit eine bedeutendere Rolle spielen können. Die Abhandlung DER FüRST war speziell an das zu der Zeit in Florenz regierende Geschlecht der Medici gerichtet. Dieses wurde zwar 1527 zum wiederholten male aus Florenz vertrieben, schwang sich aber ab 1551 zu Herzögen (bzw. ab 1569 Großherzögen) der Toskana auf.


Dieses machtvolle Geschlecht stellte unter anderem 3 Päpste und 2 Königinnen von Frankreich (Katharina, welche die Bartholomäusnacht verursachte, und Maria) 1737 erlosch das Haus der Medici. Machiavelli gestand diesem Geschlecht die Chance zur Verwirklichung eines italienischen Nationalstaates zu. ,,So verharrt Italien immer noch in Todesstarre und Erwartung, bis der kommt, der es von seinen Schlägen heile, (...)`` ,,Seht auch, wie es durchaus bereit und geneigt ist, einem Banner zu folgen, wofern es nur Einer begriffe.

Es gibt aber gegenwärtig niemanden, auf den es mehr Hoffnung setzen könnte als auf euer berühmtes Geschlecht, (...), es könnte die Führung der Befreiung übernehmen`` Machiavelli drückt sich sehr nüchtern und unbeteiligt aus. Er verlangt vom Fürsten Handlungsweisen, die in unserer Zeit als unmenschlich und realitätsfern erscheinen. Man muß seine Ausdrucksweise aber unbedingt im Kontext seiner Zeit sehen.

DER FüRST ist gedacht als eine Anleitung oder Gebrauchsanweisung zur Lebenserhaltung von Fürstenhäusern und Staatsgebilden. Warum also bedient sich Machiavelli einer trockenen, manchmal brutal anmutenden Ausdrucksweise? Fürst wurde man in der Regel nicht aufgrund seiner Qualifikation, oder durch Wahl, so wie es uns heute selbstverständlich ist, sondern durch Geburt oder durch Gewalt. Hierfür nur das Beispiel der Medici, die aufgrund ihrer finanziellen und territoriellen Macht in Italien 3 Päpste stellen konnten, welche sich sicherlich nicht durch besondere Frömmigkeit für dieses heilige Amt auszeichneten. Allein ihre Herkunft machte sie zu Päpsten. Daraus muß man folgern, daß einem großen Teil aller Fürsten (weltlicher wie kirchlicher) wohl kaum alle nötigen Fähigkeiten, wie Charisma oder Führungsqualitäten, zur Erhaltung eines Fürstentums in die Wiege gelegt wurden. Darum konnten sich schlechte, unintelligente und brutale Fürsten, die wie auch immer zu ihrer Würde gekommen waren, nur durch Lügen, Betrügen, Verraten und Bestechen halten.

Wenn also ein großer Teil der Fürsten anders nicht überlebensfähig waren, so mußten auch alle guten und fähigen Fürsten diese Mittel anwenden können, um zu überleben. Man lebte in einer Welt, in der ein jeder Fürst eifersüchtig danach trachtete sich selbst zu erhalten und sich nach Möglichkeit an Macht, Land und Leuten zu vergrößern. Unter den Fürstentümern und Monarchien herrschte das Prinzip von fressen und gefressen werden. Auch die niedrigeren Leute waren nach unseren heutigen Maßstäben nicht viel besser; da sie von den Großen extrem ausgenutzt wurden, suchten sie ihrerseits nach jeder sich bietenden Gelegenheit um die Großen auszunutzen oder sie zu Fall zu bringen. Deshalb kommt Machiavelli zu für uns heute eigenartigen Feststellungen, wie ,,Denn von den Menschen kann man im allgemeinen das sagen: Sie sind undankbar, wankelmütig, heuchlerisch, scheuen die Gefahr und sind gewinnsüchtig; (..

.)``, Kap.17 Machiavelli beschreibt tatsächlich nichts weiter, als die Zustände der Menschheit seiner Zeit und speziell seines Landes. Machiavelli ist nun aber nicht nur unbeteiligter Beobachter ohne moralische Bedenken. Er erscheint vielmehr als ein desillusionierter Idealist, der zwar alle guten Eigenschaften begrüßt und für wünschenswert hält, sie aber dem Überleben in seiner Welt unterordnet. ,,(.

..) [ich] behaupte, daß es gut ist für freigebig zu gelten. Aber die Freigebigkeit, die du übst und die nicht anerkannt ist, ist dir schädlich.``, Kap.16 ,,So hat er mit seiner Freigebigkeit sehr viele beleidigt und nur wenige beglückt [wenn er durch seine Freigebigkeit höhere Steuern verlangen muß]; (.

..)``, Kap.16 ,,(...

), das jeder Fürst danach streben muß, für mitleidig und nicht für grausam zu gelten; (...)``, Kap.17 ,,Daher kommt die Streitfrage, ob es besser sei, geliebt als gefürchtet zu werden oder umgekehrt. Ich antworte: Man sollte beides sein.

``, Kap.17 Es läßt sich viel Zynismus in seiner Niederschrift erkennen, vor allem, wenn er von Cesare Borgia spricht, einem rücksichtslosen und machthungrigen Fürsten und Ursupator, der aber andererseits die Ansprüche seiner Zeit erfüllte und sehr erfolgreich war. Machiavellis Visionen (und dies sollten sie für Jahrhunderte bleiben) erfassen allerdings noch weitaus größere Dimensionen. Machiavelli toleriert zwar Grausamkeiten bei der Erschaffung und Sicherung eines neuen Staatsgebildes (wobei er immer die Vorstellung eines italienischen Nationalstaates vor Augen hat), lehnt sie jedoch bei erfolgter Stabilisierung ab. ,,Die Mühen, die sie bei der Eroberung der Herrschaft haben, kommen zum Teil von der neuen Ordnung und den neuen Formen, die sie zur Begründung ihres Staates und zu ihrer Sicherheit einführen müssen.``, Kap.

6 ,,Cesare Borgia galt als grausam; trotzdem hatte diese Grausamkeit die Romagna wiederhergestellt, geeint und wieder zu Frieden und treuer Ergebenheit gebracht.``, Kap.17 Der nüchterne Tonfall, in dem er den Fürsten davon abrät verhaßt zu werden, ist nicht als eine weitere Form einer durchtriebenen Listigkeit eines rücksichtslosen, machtverherlichenden Staatstheoretikers zu werten, sondern als dringlich vorgebrachte Aufforderung eines Bürgerlichen an die Feudalherren/Fürsten (in Machiavellis Falle die Medici). Machiavelli bringt seine Thesen in angemessener Formulierung (vorsichtig und zurückhaltend) den Fürsten (die, wie es seiner Zeit entsprach, um so viel höher standen als er selbst) näher. Sei sollten nach der Konsolidierung gerecht, ehrenhaft, rücksichtsvoll und maßvoll regieren. Somit erklärt sich Machiavellis emotionsloser, einem unaufgeklärten Leser kalt und grausam erscheinender Schreibstil.

DER FüRST sollte nicht als Provokation aufgefaßt werden. Zwar liest sich der Text wie die Betriebsanleitung eines Videorecorders, dennoch bringt Machiavelli oft seine staatsbürgerlich geprägten Tendenzen ein. Er versucht diese unauffällig zu verpacken, dennoch läßt er manchmal seinen Zynismus durchblicken. Besonders beißend allerdings läßt er seinem Spott für Kirchenstaaten freien Lauf, bei denen er ebenso die fehlende Legitimation und Kompetenz zur Fürstengewalt vermißt, wie auch den Willen des Volkes sich von dieser Mißwirtschaft frei zu machen. Er kritisiert des Volkes Dummheit, welches aufgrund von Glauben und Tradition die Kirche weiter verehrt und die Patriarchen im Amt läßt. ,,Nur sie [die Kirchenfürsten] sind Alleinherrscher im Staat und verteidigen ihn nicht; sie haben Untertanen und regieren sie nicht; und obwohl ihre Staaten ungeschützt sind, werden sie ihnen nicht genommen; und obwohl ihre Untertanen nicht regiert werden, kümmern sich diese nicht darum und denken nicht daran, sich ihnen zu entziehen; (.

..)``, Kap.11 ,,(...

); denn da diese Fürstentümer von Gott errichtet und erhalten werden, würde es ein Zeichen von Anmaßung und Vermessenheit sein, darüber zu räsonieren.``, Kap.11 Insgesamt läßt sich das obengenannte in der Kommentierung des konservativen preußischen Geschichtsschreibers Leopold von Runke (19. Jht) zusammenfassen: ,,Machiavelli suchte die Heilung Italiens, doch der Zustand desselben schien ihm so verzweifelt, daß er kühn genug war, ihm Gift zu verschreiben.`` Machiavelli beweist seine herausragende staatstheoretische Vorsehungskraft aber noch an andere Stelle. ,,Ferner muß ein Fürst immer der Tüchtigkeit zugetan sein und die Hervorragenden jedes Faches belohnen.

(...) [ohne das sich] nicht der Eine davor scheut, seine Besitzungen zu erweitern, aus Angst, sie könnten ihm weggenommen werden, und der andere, einen Handel aufzumachen, aus Furcht vor den Steuern; sondern er muß Auszeichnungen für die bereitstellen, die so etwas tun wollen und auf irgendeine Weise seine Stadt und den Staat bereichern.``, Kap.21 Im weiteren Sinne könnte man Machiavelli laut des Zitates als Vordenker der freien Marktwirtschaft bezeichnen.

Diese wurde zwei Jahrhunderte später von Adam Smith (1790) entwickelt. Diese geht vom Prinzip des freien Wettbewerbs aus, frei von staatlicher Lenkung. Der Staat übernimmt die Rolle eines Beobachters und Bewachers (Nachtwächterstaat). Adam Smiths Theorien bestimmten die wirtschaftpolitische Gestaltung aller Industrienationen des 19. Jahrhunderts und bestimmen noch heute in wirtschaftpolitischen Konzeptionen konservativer Parteien (CDU, Republicans/USA, Conservatives/GB). Seine Ideen finden nämlich auch noch ihren Platz in der stark modifizierten sozialen Marktwirtschaft (nach Müller-Armack, Freiburger Schule), für die die CDU und vernünftige Teile der SPD sich entgegen der sozialistischen Planwirtschaft entschieden.

Ein Teil dieser Theorien finden sich auch in Machiavellis Der Fürst wieder, wenn auch der zweite zentrale Grundgedanke Adam Smiths fehlt: Das individuell egoistische Interesse des Einzelnen vom naturrechtlichen Blickpunkt, in welchem das Individuum durch Vermehrung seines eigenen Wohlstandes zum Wohle aller beiträgt. Machiavelli kann sich aber, getreu seinem Zeitalter, nichts anderes als eine Monarchie, verbunden mit einer Feudalherrschaft oder ähnlichen Oligarchien vorstellen (anders als ein Adam Smith, der einen starken 3. Stand gewohnt war). Laut Machiavelli sollen Monarch und Bürgertum stark miteinander verkettet sein. Der Bürger hat sich bedingungslos in die Dienste des Staates stellen, ebenso wie der Fürst, sollten sich die Bürger verdient machen, die Dienste des Volkes belohnen soll. ,,Daher muß ein kluger Fürst eine Form ausfindig machen, bei der seine Bürger immer und in jeder Lage den Staat nötig haben; und sie werden ihm dann immer treu und ergeben sein``, Kap.

9 ,,(...); sondern er muß Auszeichnungen für die [Bürger] bereitstellen, die so etwas tun wollen und auf irgendeine Weise seine Stadt und den Staat bereichern.``, Kap.21 (siehe vorhergehende Zitierung der selben Stelle) Ist der Fürst intelligent, gutartig und charismatisch (wovon Machiavelli offenbar nicht viele kannte), so fällt ihm dies leicht.

Ist ein Fürst dies aber nicht, so muß der Fürst auch zu den schlimmen Mitteln greifen, die Machiavelli beschreibt, um das Wohl des Staates und der Bürger zu erreichen. Im Gegensatz zu seinem Titel beweist sein Werk Machiavellis Vorliebe für das Bürgertum. Machiavelli ist zwar der Meinung, daß nur eine Fürst es schaffen kann, einem Staat zu Ruhe, Ordnung, Sicherheit und angemessener Gesetzgebung verhelfen kann, dennoch ist der 3. Stand am wichtigsten. Alle seine Ratschläge, die vordergründig dem Wohle des Fürsten dienen, dienen ebenso, oder vor allem dem Wohle des Bürgertums. Zustände wie oben beschrieben, oder der freien wirtschaftlichen Individualität sollten allerdings erst zwei bis drei Jahrhunderte später zu den Forderungen des aufstrebenden Bürgertums werden.

Machiavelli sah vielleicht voraus, daß das Bürgertum die Feudalherren irgendwann ablösen würde. Zumindest möchte er die Gleichstellung des Bürgertums gegenüber den Fürsten erreichen. Er versucht seine Tendenz zum Bürgertum nicht allzu offensichtlich darzustellen, läßt sich aber trotzdem ab und zu zu deutlichen Kommentaren hinreißen. ,,(...

) denn das Ziel des Volkes ist viel sittlicher als das der Großen: diese wollen unterdrücken und jenes nur nicht unterdrückt werden.``, Kap.9 Er wünschte sich ebenso eine wirtschaftliche wie auch kulturelle Entfaltung des 3. Standes. ,,Ferner muß ein Fürst immer der Tüchtigkeit zugetan sein und die Hervorragenden jedes Faches belohnen. Er soll seine Bürger anregen, ruhig ihrer Beschäftigung im Handel, in der Landwirtschaft und jedem anderen Gewerbe nachzugehen, (.

..)``, Kap.21 Machiavelli zeigt sich außerdem in ganz entschiedenem Maße geprägt von den geistigen und kulturellen Einflüssen seiner Zeit. Er ist ein typischer Intelektueller der Renaissance (von rinascimento = Wiedergeburt), einer geistigen Kulturrevolution des 15. und 16.

Jahrhunderts. In ihr wurde, ausgehend von Italien, die Wiederbelebung der Antike betrieben, was eine geistige Umformung des Welt- und Menschenbildes mit sich brachte. Machiavellis starke Beeinflussung durch diese Bewegung, obwohl sie eher noch an ihrem Beginn stand, zeigt sich allein an der Tatsache, daß er oft Handlungen und Lebensweise antiker Persönlichkeiten wie Schriftstellern, Kriegern und Herrschern beschreibt und zitiert. Die Renaissance förderte auch den menschlichen Drang nach wissentschaftlichen Entdeckungen und sonstig gearteten neuen Erkenntnissen, entgegen dem Geiste des Mittelalters, in welchem man technischen, politischen und geistig/theologischen Fortschritt mit vielen Maßnahmen entgegenwirkte. Stark beeinflußt von der Renaissance zeigt sich auch ein Shakespeare (1564, 1616) in dessen klassischen Dramen es oft um die Auflehnung des einzelnen gegen das kulturelle Erbe des Mittelalters geht. Oft nehmen die Hauptrollen seiner Dramen (z.

B. MACBETH ihr Schicksal in die eigenen Hände (Renaissance) und verstoßen somit gegen die göttliche Ordnung (mittelalterliches Weltbild). Meistens werden sie ihrehr gerechten Bestrafung zugeführt. Daraus ergibt sich aber genau das Gedankengut, welches die Renaissance-Bewegung fördern wollte: die Eigenbestimmung des Individuums, die Auflehnung gegen vorherbestimmte Schicksale, das Lenken der eigenen Geschicke, In-Die-Hand-Nahme des eigenen Schicksals. Eine göttliche Ordnung, in welcher sich jedes Lebewesen in die ihm zugewiesene Stellung oder Position zu fügen habe, wurde nicht mehr anerkannt. Mit einer Vielzahl von Kommentaren zeichnet sich Machiavelli als Vereinnahmter und Vorantreiber der Renaissance aus, z.

B. in Kapitel 25, in welchem er beschreibt wie man Fortuna (oder der göttlichen Vorsehung/ Schicksal) entgegenwirken kann, oder in seinem 26. Kapitel, welches einen feurigen Apell an die Medici enthält, Italien von den Fremdherren zu befreien und zu vereinigen. ,,Daher beugten die Römer immer vor, weil sie Ereignisse voraussahen, (...

). (...) Ihnen mißfiel jenes Wort, daß jeder sagt und das die weisen Leute unserer Tage im Munde Führen: `Kommt Zeit,kommt Rat';(..

.)``, Kap. 3 ,,Ich meine daher, daß es besser sei, stürmisch als vorsichtig zu sein; denn Fortuna ist ein Weib, und wenn man sie unterwerfen will, muß man mit ihr streiten und kämpfen. Man weiß, daß sie sich eher von Stürmischen besiegen läßt als von jenen, die kalt erägend vorgehen.``, Kap. 25 ,,Seht, wie es Gott bittet, daß er doch jemanden sende, der es von der Grausamkeit und der Qual der Barbaren befreie.

Seht auch, wie es durchaus bereit und geneigt ist, einem Banner zu folgen, wofern es nur einer ergriffe.``, Kap. 26 Kapitel 1: Wieviel Herrschaftsformen es gibt und wie man eine Herrschaft erwirbt Herrschaftsformen sind Republiken oder Fürstentümer. Fürstenherrschaften sind entweder erblich oder neu erworben. Die Letzteren sind entweder völlig neu oder beruhen auf Eroberung. Man erobert sie entweder durch eigene oder fremde Waffen, entweder durch Glück oder Tüchtigkeit.

Kapitel 2: Von den erblichen Herrschaften Erbliche Staaten, die schon lange an das Herrschergeschlecht gewöhnt sind, sind leichter zu regieren als Neugegründete. Ein Erbfürst kann seinen Staat nach Verlust beim ersten Fehler des Eroberers zurückerobern. Denn der Erbfürst hat weniger Notwendigkeit Grausamkeiten zu begehen. Macht er sich nicht durch ungewöhnliche Missetaten verhaßt, so wird er naturgemäß gern akzeptiert. Das Alter und die Tradition seiner Herrschaft ersticken das Verlangen nach Erneuerung. ,,(.

..); denn eine Veränderung gibt immer Anlaß zu weiteren.`` Kapitel 3: Von den vermischten Fürstenherrschaften Kolonien (Schlüsselpositionen): Ureinwohner, die für Kolonien enteignet wurden, müssen arm und hilflos bleiben. Nicht enteignete Bürger werden fügsamer aus Angst vor Enteignung. ,,Menschen sind entweder liebenswürdig zu behandeln, oder unschädlich zu machen.

`` Des weiteren sind Kolonien billiger als Besetzung. Für den Erhalt einer neuen Provinz muß man Oberhaupt und Verteidiger der umliegenden Provinzen sein. Gegner im Inneren des eroberten Gebietes rufen nämlich grundsätzlich Gegner von Außerhalb ins Land. Die vormals Mächtigen müssen mittelmäßig klein gehalten werden. Als Beispiel: Die Römer erschufen Kolonien, verpflichteten die weniger Starken, ohne deren Macht zu mehren, hielten die Mächtigen klein und ließen fremde Herren keinen Einfluß gewinnen. Grundsatz: Was man weit voraussieht, läßt sich leichter vermeiden.

,,[Die Krankheit] ist im Anfangsstadium leicht zu heilen und schwer zu erkennen, (...), dann ist es [später] leicht sie zu sehen und schwer sie zu heilen.`` Als Beispiel: Die Römer nahmen Ereignisse vorweg und ließen es nicht darauf ankommen, Probleme entstehen zu lassen, um einen Krieg zu vermeiden. Dieser würde nur zugunsten des Gegners aufgeschoben werden.

Der Fürst sollte nicht nach der Maxime leben: Kommt Zeit, kommt Rat. ,,(...) Die Zeit jagt alles vor sich her und kann Gutes und Schlechtes mit sich führen.``   ,,Eroberungslust ist durchaus der Menschennatur entsprechend (.

..).`` Die sechs Fehler Ludwigs XII. in Italien: Vernichtung der minder Starken vermehrte die Macht der ohnehin Starken (Kirche/Papst) stattete einem weiteren Landesfremden mit Macht aus (König vom Spanien) er schlug seine Residenz nicht in Italien auf er errichtete keine Kolonien er enteignete die Venetianer. ,,Wer die Ursache dazu ist, daß ein anderer mächtig wird, der gräbt sich selbst das Grab.

`` Kapitel 4: Warum das von Alexander eroberte Reich des Darius nach seinem Tode von seinen Nachfolgern nicht abgefallen ist a) Ein Fürstenstaat mit absolutem Monarchen ist schwer zu erobern, weil sie staatsbürgerliche Loyalität sich auf einen Mann konzentriert. Bei einer erfolgreichen Eroberung muß man allerdings nur das Herrschergeschlecht vernichten, um die Eroberung zu sichern. Als Beispiel: Herrschaftsstruktur des Osmanischen Reiches. b) In Fürstenstaaten mit Teilfürstentümern bestehen getrennte Loyalitäten (Monarch/Regionalfürst). Man kann leicht in diesen Fürstenstaat eindringen (unzufriedener Regionalfürst), allerdings Schwierigkeiten bei der Niederhaltung der verschiedenen Regionalfürsten, auch nach der Vernichtung des Herrschergeschlechtes. Als Beispiel: Frankreich (König/Adel) Kapitel 5: Auf welche Weise man die Städte oder Fürstentümer regieren muß, die vor ihrer Eroberung nach eigenem Gesetz lebten Regionen, die gewohnt waren in Freiheit und nach eigenen Gesetzen zu leben erhält man am besten, indem man ausgesuchte einheimische Bürger als Regierung einsetzt (Oder man liefert das eroberte Gebiet der völligen Zerstörung aus.

Dies wäre die sicherste Methode.). ,,Aber in Republiken herrscht mehr Lebensgeist, stärkerer Haß und mehr Sehnsucht nach Rache.`` ,,(...

), so ist es das bessere Mittel, die Republiken zu zerstören, oder in ihnen zu residieren.`` Kapitel 6: Von neuen Herrschaften, die man durch eigene Waffengewalt und Tüchtigkeit erobert Kann der Fürst aus eigener Kraft heraus Maßnahmen durchsetzen, so ist er mächtig. Muß er sich dabei auf andere verlassen, so hat er eine schwache Position. ,,Daher siegen alle bewaffneten Propheten, und die nicht bewaffneten gehen zugrunde.`` Auch der Wankelmut des Volkes mag die Regentschaft eines Fürsten beenden. ,,Darum muß man es so einrichten, daß man [das Volk] mit Gewalt zum Glauben zwingt, wenn es nicht mehr glauben will.

`` Kapitel 7: Von neuen Herrschaften, die man mit fremder Waffengewalt und durch Glück gewinnt Als Beispiel: Cesare Borgia; dieser führte die gegnerische Partei (die Familie Orsini) unter einem Höflichkeitsvorwand zusammen und ließ sie ermorden. Die daraufhin eingenommene Romagna wurde von unfähigen Fürsten regiert und Gesetzlosigkeit war Dauerzustand. CB setzte Ramiro von Orco als Regenten ein. Dieser war ebenso zielstrebig wie gnadenlos und regierte mit harter Hand. So brachte er wieder Ordnung in die Romagna. CB setzte dann RvO ab, da dieser von der Bevölkerung aufgrund seiner Grausamkeiten gehaßt wurde.

RvO wurde in Cesena von CB öffentlich hingerichtet. Mit dem Tod des Tyrannen befriedigt CB die Rachegelüste der Bevölkerung und verängstigt sie gleichzeitig. CB versucht Frankreich und Spanien gegeneinander auszuspielen. Auch gegen die Gefahr eines neuen Papstes (der regierende Papst Alexander XI. war sein Vater) konnte er etwas unternehmen: Ausrottung aller Geschlechter, denen er die Herrschaft raubte, damit ein neuer Papst keine Möglichkeit zum Eingreifen mehr hat. Alle Edelleute Roms für sich gewinnen, um den Papst im Zaum zu halten.

Das Kardinalskolegium für sich gewinnen Vor dem Tode seines Vaters genügend Macht zusammenraffen um einem Angriff widerstehen zu können. CB hatte die ersten drei Punkte erledigt und den vierten nahezu (Eroberungen). CB scheiterte letztlich am frühen Tode seines Vaters, an Frankreich und Spaniens Heeren, vor allem aber an seiner eigenen schweren Krankheit. ,,Denn die Menschen befehden einander aus Haß oder Furcht.`` Es erfolgte die unglückliche Papstwahl von Julius II ,,Wer glaubt, daß bei großen Männern neue Wohltaten altes Unrecht vergessen macht, irrt sich.`` Kapitel 8: Von denen, die durch Verbrechen zur Herrschaft gelangt sind Beispiel: Agathokles von Syrakus (circa 300 v.

Chr.), Sohn eines Töpfers, der zeitlebens einen verbrecherischen Charakter hatte. Trotzdem durchlief er alle militärischen Offiziersränge und beschloß dann, die Fürstenwürde an sich zu reißen. Er rief Volk und Senat von Syrakus zu ,,Beratungen`` zusammen und ließ Senat und reiche Bürger von seinen Soldaten erschlagen. Dadurch wurde er unangefochtener Herrscher. ,,Man kann das freilich keine besondere Tugend nennen, seine Mitbürger niederzuschlagen, die Freunde zu verraten, und ohne Treue, Ehrfurcht und Religion dahinzulegen.

`` Trotz seiner Leistungen kann man ihn aufgrund seiner Würdelosigkeit nicht mit den großen Männern vergleichen. Ein verbrecherischer Herrscher behauptet sich nur durch den richtigen Gebrauch der Grausamkeit. Gute Grausamkeiten sind die, die einmalig und möglichst zu Nutzen des Volkes geschehen. Schlecht sind ständige Grausamkeiten. Beim Raub eines Staates muß man sich also alle nötigen Schandtaten vorher überlegen und auf einen Schlag ausführen, um sie nicht mehr wiederholen zu müssen. Durch Wohltaten kann er dann versuchen das Volk für sich zu gewinnen.

,,(...), und das Gute, was du tust, hilft dir nicht; denn es gilt als erzwungen und rechnet es dir nicht zum Dank an.`` Kapitel 9: Vom Volksfürsten Zum Volksfürsten wird man durch die Volksgunst oder die Gunst der Großen. ,,Es ist immer so, daß das Volk nicht von den Großen beherrscht und unterdrückt zu werden wünscht und daß die großen Herren über dem Volk seien und es knechten wollen.

Aus dem Kampf dieser Richtungen entstehen in einer Stadt Alleinherrschaft, Freiheit oder Zügellosigkeit.`` Die Großen erheben dann einen Fürsten aus ihrer Mitte, wenn es gilt, das Volk besser kontrollieren zu können. So ein Fürst kann sich aber nicht leicht halten. Ein Volksfürst vermag Loyalität anzuziehen und außerdem das Volk besser zufriedenzustellen. ,,Außerdem kann man die Großen nicht in Ehren, und ohne den anderen Unrecht zu tun, zufriedenstellen, wohl aber das Volk; denn das Ziel des Volkes ist viel sittlicher als das der Großen: diese wollen unterdrücken, und jenes nicht nur unterdrückt werden.`` Der Fürst kann ohne die Großen regieren, da er alle Tage welche dazu machen kann.

Die Großen muß man auf zwei Arten behandeln, unter dem Gesichtspunkt, ob sie für oder gegen dich sind. Die, die gegen dich sind, muß man nach Möglichkeit benutzen oder, wenn sie aus Ehrgeiz gegen dich handeln, als Feinde betrachten. Ein Volksfürst muß Freundschaft mit dem Volk halten. Ein Fürst der Großen muß sich die Freundschaft des Volkes erschleichen. Gute Maßnahmen machen denjenigen, von dem man im vorhinein Schlechtes erwartet hat (von den Großen oktrohierter Fürst), populär. ,,Ich komme nun zu dem Schluß, daß ein Fürst mit seinem Volk befreundet sein muß; sonst hat er keine Hilfe im Unglück.

`` Kapitel 10: Wie man die Kräfte aller Fürstentümer zu bemessen hat Diejenigen Staaten, die aufgrund ihres Menschen- und Geldüberflusses ein zweckmäßiges Heer auszurüsten imstande sind, sind unabhängig. Andere müssen ihre Stadt so gut als möglich befestigen und ihr Volk so behandeln, wie schon beschrieben und im Folgenden. Angreifer lieben Unternehmungen nicht, bei denen es Schwierigkeiten geben wird und ein vom Volke anerkannter Fürst, in einer gut befestigten Stadt, stellt eine Menge solcher Schwierigkeiten dar. Wenn das Volk aufsässig wird, da sein Besitz außerhalb der Stadt gebrandschatzt wird, kann ein mutiger Fürst durch geschicktes Handeln jedes Revoltieren vermeiden. Er muß dem Volk Hoffnung machen, ihm Angst vor der Grausamkeit des Feindes machen und sich unauffällig der Rädelsführer bemächtigen. Nach einiger Zeit wird das Volk glauben, ihre Besitzungen wären der Preis für ihren Schutz.

Somit werden sie dem Fürsten Dankbarkeit zeigen. Kapitel 11: Von den geistlichen Fürstentümern Kirchenstaaten halten sich aufgrund von Tradition und Gottesfurcht ewig und unantastbar. Kapitel 12: Von den Heeresarten und Söldnerheeren Ein Fürst muß gute Grundlagen haben. Fundament alter, wie neuer Staaten, sind gute Gesetze und fähige Truppen. Das eine setzt das andere voraus. Söldner sind als Truppe gefährlich und lockern das Staatsfundament.

,,(...), denn sie sind uneinig, ehrgeizig, disziplinlos und untreu, überheblich den Freunden und feig dem Feind gegenüber; sie sind ohne Furcht vor Gott und ohne Treue gegen die Menschen.`` ,,Du schiebst deinen Untergang so lange auf, wie du den Angriff aufschiebst; im Frieden wirst du von ihnen ausgeplündert und im Kriege von deinem Feinde.`` Söldner wollen nur des Soldes wegen deine Soldaten sein und sind nur im Frieden treu.

,,Rom und Sparta sind viele Jahrhunderte durch ihre [Volks]heere freigeblieben.`` Ehrgeizige, erfolgreiche Söldnerführer trachten auch danach, die Herrschaft an sich zu reißen. Venedig z.B. verlor durch Söldnerheere an einem Tag, wofür man achthundert Jahre gekämpft hatte. Kapitel 13: Von Hilfstruppen, gemischten Truppen und Volksheeren Auch Hilfstruppen sind dem Fürsten nicht nützlich.

Ihre Niederlage zerstört dich, ihr Sieg liefert dich ihnen aus. Da Hilfstruppen eine Einheit sind, sind sie noch gefährlicher als Söldner. Folglich ist bei Söldnern die Feigheit und bei Hilfstruppen die Tapferkeit gefährlicher. ,,Kurz, fremde Waffen fallen von dir ab, erdrücken oder erdrosseln dich`` Insgesamt kann man sagen, wer in einer Herrschaft die Übel an ihrer Wurzel nicht erkennt, der ist nicht wirklich weise, was ja nur wenigen gegeben ist. Als Beispiel: Der Anfang des römischen Untergangs begann mit den gotischen Hilfs-/ Söldnertruppen. Kapitel 14: Was ein Fürst im Kriegswesen zu beachten hat Die Kriegsführung ist die einzige Kunst, die man von Befehlenden (Fürsten) erwartet.

So ist es auch zu erklären, wie andere, die diese Kunst beherrschen und keine Geburtsfürsten sind, Fürsten werden, und Geburtsfürsten, die die Kunst nicht beherrschen, ihren Thron verlieren können. Erster Grund für den Verlust eines Landes ist die Vernachlässigung der Kriegskunst, erste Voraussetzung für den Neuerwerb eines Landes ist die Perfektion der Kriegskunst. ,,Weil Francesco Sforza gerüstet war, wurde er, der Privatmann, zum Herzog von Mailand; seine Söhne, die Herzöge waren, wurden Privatleute, weil sie Waffenübungen scheuten`` Ein unbewaffneter Fürst wird von Nachbarstaaten verachtet und kann sich niemals sicher fühlen. Denn auf der einen Seite besteht Mißtrauen, auf der anderen Verachtung. Ein Fürst, der von der Kriegsführung nichts versteht, wird zudem von den eigenen Soldaten verachtet. Kriegswerk kann auf zwei Arten nicht vernachlässigt werden.

Durch Taten: Das Heer muß in Ordnung und in Ordnung und in Übung gehalten werden. Der Fürst muß auf die Jagd gehen, um sich selbst fit zu halten und das Terrain seines Landes kennenzu- lernen. So lernt er auch taktisch wichtige Landeseigenarten kennen und im Falle des Falles nutzen. Solche Gebietskenntnis ist für den Kriegsherren unerläßlich, um den Gegner aufzuspüren, Lager aufzuschlagen und taktisch geschickte Entscheidungen zu treffen. Ein Fürst muß durch Nachdenken, also Bildung, die Kriegskunst erlernen. Er muß die Geschichte studieren und die Handlungen großer Männer.

Er muß die Gründe für ihre Siege und für ihre Niederlagen kennen, um erstere zu wiederholen und letztere zu vermeiden. Außerdem sollte ein Fürst einen älteren Heerführer nachahmen, der seinerseits einen älteren Heerführer nachahmte und dabei ebenso erfolgreich war. Der Fürst darf auch im Frieden nie müßig sein, damit er in Unglückszeiten Widerstand leisten kann. Kapitel 15: Wodurch die Menschen und besonders die Fürsten Lob und Tadel erwerben ,,Aber da es meine Absicht ist, etwas nützliches für den zu schreiben, der es versteht, scheint es mir angemessener, der wirklichen Wahrheit der Tatsachen nachzugehen, als den Warngebilden jener Leute.`` Wer das Leben nicht so sieht, wie es ist, sondern wie es sein sollte, arbeitet auf seinen eigenen Ruin hin. Ein ausschließlich guter Mensch wird inmitten der großen Überzahl schlechter Menschen untergehen.

Ein Fürst, der sich halten will, muß lernen, schlecht zu sein und davon, je nach Bedarf, gebrauch machen.   ,,Ich übergehe also die Dinge, die einem Fürsten angedichtet werden, und setze mich nur mit der Wirklichkeit auseinander.`` Aufgrund des menschlichen Charakters vereinigt auch ein jeder Fürst ebenso gute wie schlechte Eigenschaften in sich. Der Fürst muß deshalb so klug sein, üble Nachrede über seine schlechten Eigenschaften zu vermeiden, vor allem, wenn das Gerede seine Staatsgeschäfte beeinträchtigen könnte. Tut er dies aber nicht, kann er sich in dieser schlechten Eigenschaft um so mehr gehen lassen. Außerdem sollte man manche schlechte Eigenschaft nicht unbedingt als solche ansehen und bei Notwendigkeit eventuell ausleben.

,,Denn betrachtet man das Ganze, so wird man finden, daß es scheinbare Tugenden gibt, bei deren Ausübung man zugrunde geht, und scheinbare Laster, bei denen Sicherheit und Besitz gewährleistet sind.`` Kapitel 16: Von der Freigiebigkeit und der Sparsamkeit Es ist prinzipiell gut, als freigiebig zu gelten. Großzügigkeiten, die nicht anerkannt werden, sind schädlich. Um den Ruf von Freigiebigkeit zu erhalten, muß ein Fürst jede erdenkbare Ausgabe auf sich nehmen. Diese werden ihn früher oder später zur Erlassung höherer Steuern zwingen. Dadurch wird er bei seinen Untertanen verhaßt und gerät selbst in Armut.

So beleidigt Freigiebigkeit viele und erfreut nur wenige. Wenn er dann nicht mehr freigiebig ist, wird der Fürst bald als geizig gelten. Da man also offensichtlich nicht uneingeschränkt freigiebig sein kann, soll der Fürst sich nicht scheuen, als geizig zu gelten. Denn im Laufe der Zeit wird er doch als freigiebig gelten, wenn das Volk bemerkt, daß seine Sparsamkeit in bestimmten Situationen dem Volke nutzt. ,,(..

.), daß er sich im Kriege verteidigen und angreifen kann, ohne sein Volk zu belasten.`` So hat der Fürst denen gegenüber als freigiebig zu gelten, denen er nichts nimmt. In unserer Zeit gibt es viele Beispiele, großer knauseriger Männer. ,,Der jetzige König von Frankreich hat so viele Kriege geführt, ohne seinem Land einen Pfennig außerordentlicher Abgabe aufzuerlegen; denn alle außergewöhnlichen Kosten hatte er durch seine lange Sparsamkeit im voraus gedeckt.`` Ein Fürst sollte den Ruf als Knauserer nicht meiden, solange er dafür seine Untertanen nicht belastet, sich verteidigen kann, nicht verarmt und nicht zum Ausbeuter zu werden braucht.

Geiz mag eines der Laster sein, welches seine Herrschaft erhält. Vor allem sollte man schon in der Position des Fürsten sein, wenn man geizig ist. Ist man auf dem Weg zur Fürstenwürde, ist ein freigiebiger Ruf von Vorteil. Es gibt Fürsten, die mit ihren Heeren großes vollbrachten und dennoch freigiebig waren. Dies hängt aber davon ab, ob der Fürst sein eigenes Geld, das der Untertanen oder das Fremder ausgibt. Im ersten Falle darf er nur wenig ausgeben, im zweiten und im dritten Falle muß er freigiebig sein, sonst würden ihm seine Soldaten nicht folgen.

Vermögen, welches nicht ihm gehört, darf er ausgeben, ohne daß es ihm schadet. Eigenes Geld ausgeben kann nur Schaden ausrichten. ,,(...), denn indem du [Freigiebigkeit] übst, verlierst du die Kraft dazu; du wirst entweder arm oder verachtet, oder, um der Armut zu entgehen, räuberisch und verhaßt.

Aber vor allem muß sich ein Fürst hüten, verachtet und verhaßt zu werden; und die Freigiebigkeit führt zu beidem.`` Es ist also klüger, als geizig zu gelten, denn dies führt zu Murren, aber nicht zu Haß. Kapitel 17: Von der Grausamkeit und dem Mitleid und ob es besser sei, geliebt als gefürchtet zu werden Jeder Fürst sollte für mitleidig und nicht für grausam gehalten werden. Dennoch muß dieses Mitleid vorsichtig angewendet werden. Als Beispiel Cesare Borgia (s.o.

, Kap.7), der als grausam galt, und dennoch Romagna wiederherstellen konnte. Ein Fürst braucht sich nicht vor der Nachrede der Grausamkeit schützten, wenn er dadurch seine Untertanen eint und treu macht. Denn wenn man durch wenige Grausamkeiten Ordnung hält, ist dies besser, als wenn man durch sein Mitleid Mord und Gesetzlosigkeit hervorruft. Der Fürst, der einem neuerworbenen Staat vorsteht, kann der Grausamkeit kaum ausweichen. Aeneis I, 563-564: ,,Hierzu zwingt mich die Not und die Jugend des geschaffenen Reiches, seine weiten Grenzen zu schützen, mit bewaffneter Wehr.

`` Dennoch muß ein Fürst mit aller gebotenen Vorsicht und Menschlichkeit vorgehen. Ein Fürst sollte ebenso geliebt wie gefürchtet werden. Da sich dies aber kaum vereinen läßt, ist es für ihn sicherer, gehaßt zu werden, wenn er schon auf eines von beiden verzichten muß. Dies ist so, weil man von den Menschen im allgemeinen sagen kann, sie sind undankbar, wankelmütig, heuchlerisch, feige und gierig. Sie dienen dir ohne Wenn und Aber, doch nur, solange die Not fern ist. Ist die Not aber erst da, so wird der Fürst, der sich auf ihr Wort verlassen hat, untergehen.

Denn Treue, die nicht durch Persönlichkeit oder Charakter entstanden ist (also nur auf vager Zuneigung basiert), existiert zwar, bewährt sich aber nie. Die Menschen haben weniger Angst davor, einen Fürsten anzugreifen, der beliebt ist. Liebe ist an die Dankbarkeit gebunden, die in der Not aber leicht verschwindet. Grausamkeit aber ist ein Ruf, der sich lange erhält. ,,(..

.); denn die Liebe wird von der Fessel der Dankbarkeit zusammengehalten, die, wie die Menschen leider sind, sofort zerbricht, wenn der Eigennutz im Spiele ist; aber die Furcht erhält sich durch die Angst bestraft zu werden, die niemals aufhört.`` Allerdings sollte der Fürst versuchen, dem Haß zu entgehen. Gefürchtet zu werden, ohne Haß hervorzurufen, ist ideal. Haß entsteht, wenn man sich am Eigentum oder den Weibern der Bürger vergreift. Grausamkeiten dürfen nur im Schutze des Gesetzes stattfinden.

Vor allem muß der Besitz anderer unangetastet bleiben. ,,(...), denn die Menschen vergessen schneller den Tod ihres Vaters, als den Verlust des väterlichen Erbes.`` Wer von Ausbeutung lebt, wird allerdings oft die Gelegenheit dazu finden.

Blutvergießen, welches dadurch hervorgerufen wird, gibt es aber vergleichsweise seltener. Auch im Krieg kann der Fürst als grausam gelten, sonst könnte sein Heer meutern oder desertieren. Als Beispiel Hannibal, der seine großen Taten mit seinem aus etlichen Völkern gemischtem Heer nicht hätte verbringen können, hätte er bei seinen Soldaten nicht als grausam gegolten. ,,Unüberlegte Schriftsteller bewundern einerseits diese [großartigen] Tatsachen und tadeln andererseits ihre Hauptursache [die Grausamkeit].`` Ein Fürst muß ein solch großes Maß an Liebe zu seiner Person erschaffen, wie es ihm möglich ist. Da er sich nicht auf andere verlassen kann, darf er aber auch den Ruf der Grausamkeit, wenn er dazu gezwungen ist, nicht schrecken.

Vor allem muß ein Fürst sich davor hüten, gehaßt zu werden. Kapitel 18: Wie die Fürsten ihr Wort halten sollen Es ist lobenswert, wenn ein Fürst sein Wort hält. Dennoch haben viele Fürsten durch Wortbruch viel vollbracht. Für den Fürsten gibt es zwei Vorgehensweisen: durch das Gesetz oder durch die Gewalt. Das Erste sollte eigentlich dem Menschen zukommen, das Zweite den Tieren. Wenn das Erste aber unwirksam ist, muß man zum Zweiten greifen.

,,Daher muß der Fürst gut verstehen, Mensch oder Tier zu spielen.`` ,,(...), eines ohne das andere birgt keine Dauer.`` Ein Fürst muß wortbrüchig werden, wenn sein Versprechen für ihn ein Nachteil ist und wenn die Gründe, warum er es gegeben hat, wegfallen.

,,Wenn alle Menschen Engel wären, wäre dieser Vorschlag nicht gut; aber sie sind es leider nicht und würden dir nicht Wort halten; daher brauchst du es ihnen auch nicht halten.`` Außerdem findet ein Fürst immer viele Gründe, Vertragsbruch zu rechtfertigen. Ein Fürst braucht nicht alle guten Eigenschaften zu haben, er sollte sie bloß vortäuschen können. Alle guten Eigenschaften sind schädlich, wenn man sich streng an sie hält. Also sollte man sie solange praktizieren, bis die Not schlecht Eigenschaften fordert. Diese müssen in Notzeiten vorhanden und anwendbar sein.

Ein Fürst muß, vor allem in neugegründeten Staaten, oft gegen die Menschlichkeit, Milde, Treue, Aufrichtigkeit und Frömmigkeit verstoßen, um den Staat am Leben zu erhalten. ,,Daher muß er [der Fürst] einen Geist besitzen, der sich nach dem Wind und nach dem Wechsel des Schicksals drehen kann, und der, falls es möglich ist, nicht vom Wege des Guten abweicht, aber in Zwanglagen auch das Böse zu tun vermag.`` Menschen urteilen meist eher nach ihren Augen als nach ihren Gefühlen. Deshalb muß der Fürst den Anschein der absoluten Tugendhaftigkeit erwecken. Nur Wenige werden dein wahres Ich erkennen, und jene werden nicht handeln können, da sie nicht gegen die Masse antreten werden wollen. Beurteilt wird ein Fürst nur nach seinen Endergebnissen: ob er siegreich war, ob er den Staat erhalten konnte.

Denn jede schlechte Tat wird scheinbar gut, wenn der Pöbel die Tat als Erfolg bewertet. Die klugen Leute kommen nur dann zur Geltung, wenn der Pöbel ratlos ist und die Klugen um Hilfe bittet. Kapitel 19: Verachtung und Haß sind zu meiden Der Fürst muß alle Dinge meiden, die ihn verhaßt und verachtet machen. Verhaßt macht er sich durch den Zugriff auf Besitz und die Frauen seiner Bürger. Wenn er dies vermeidet, so wird er nur mit einigen wenigen Ehrgeizigen zu kämpfen haben. Verachtet wird jemand, der als verweichlicht, leichtsinnig, kleinherzig und unentschlossen gilt.

Deshalb muß der Fürst dafür sorgen, daß seine Taten Größe, Mut, Ernsthaftigkeit und Tapferkeit widerspiegeln. Seine Beschlüsse müssen als unwiderruflich gelten, damit kein Bürger versuchen kann, ihn zu betrügen. Der Fürst hat zwei Arten von Gegnern: die innerhalb und die außerhalb des Landes. Gegen äußere Feinde hilft eine gute Truppe und ein oder mehrere gute Bündnispartner. Ist die auswärtige Lage gesichert, so wird es auch im Inland zu weniger Unruhen kommen. Gibt es Krieg, wir der Fürst, der sich wie im vorherigen beschrieben benommen hat, jedem Angriff standhalten.

Bei Frieden sind nur geheime Verschwörungen zu fürchten, denen der Fürst vorbeugt, indem er Haß und Verachtung vermeidet und das Volk zufriedenstellt. Haß muß vor allem vermieden werden, da ein Verschwörer zumeist glaubt, dem Volk einen Gefallen zu erweisen, wenn er den Fürsten beseitigt. Wird es durch dessen Tod aber erbost, so schadet der Verschwörer sich selbst. Deshalb nehmen auch eher weniger Verschwörungen ein gutes Ende, da sie sich nur auf die Basis der eventuell Unzufriedenen stützen. Eine standfeste Herrschaft, pragmatische Gesetzgebung, Truppen, Bündnispartner und das Wohlwollen des Volkes nehmen jeder Verschwörung die Grundvoraussetzungen. Als Beispiel: Die Canni erschlugen Messer Hannibal Bentivoglio, den Fürsten von Bologna.

Aufgrund des Wohlwollens gegenüber dem Ermordeten, erschlug das Volk daraufhin alle Canni und schickte sogar bis nach Florenz, für ein Familienmitglied der Bentivoglios, welches für den unmündigen Erben die Regentschaft übernahm. Ein Fürst braucht nicht viel zu fürchten, ist ihm das Volk wohlgesonnen. Haßt es ihn aber, so muß er jeden Menschen fürchten. So haben wohlgeordnete Staaten und kluge Fürsten darauf geachtet, die Mächtigen nicht zur Verzweiflung zu bringen und das Volk zufriedenzustellen. Als Beispiel: In Frankreich wurden die Parlamente (Gerichtshöfe) eingerichtet, damit sie den Ehrgeiz des Adels und des Großbürgertums beschränkten und die weniger Mächtigen stützten. Sie haben sich als eine wichtige Stütze des Königs erwiesen.

Auf eine einfache Formel gebracht bedeutet dies: ,,Ein Fürst muß auf die Großen achten, aber darf sich nicht beim Volk verhaßt machen.`` Die Gegenbeispiele, die römische Kaiser geliefert haben mögen, können widerlegt werden. Im römischen Staatsgebilde kamen zu dem Mächtigen und Schwachen auch noch die Soldaten. Das Volk bevorzugte gemäßigte Kaiser, während die Soldaten einen verbrecherischen und räuberischen Kaiser wollten, über den die ihren Sold und ihre Beute auf Kosten des Volkes vergrößern konnten. Die Kaiser, die keine starke Persönlichkeit hatten und keine Taten vollbrachten, die Heer und Volk gebändigt hätten, gingen unter. Solche Kaiser bevorzugten es, sich an die Armee, als die stärkere beider Parteien, anzubiedern.

Dies gelang ihnen, oder nicht, je nachdem, wie sie mit ihren Soldaten umsprangen. ,,So ist, (...), ein Fürst, der den Staat erhalten will, häufig gezwungen, nicht gut zu handeln, denn wenn jene Partei, mag es das Volk, die Soldaten oder die Großen sein, die du deiner Meinung nach zur Erhaltung nötig hast, verdorben ist, so mußt du wohl ihrer Laune folgen, um sie zu befriedigen, und dann wären dir gute Handlungen schädlich.`` (.

..) (...) (.

..) (...) (.

..) (...) (.

..) Fürsten unserer Zeit haben weniger Mühe, Soldaten zufriedenzustellen, da die Heere weniger mit den Regierungen und den Provinzialverwaltungen verflochten sind, als im alten Rom. Früher mußte man eher das Heer, heute eher das Volk zufriedenstellen. Kapitel 20: Ob Festungen und andere gewöhnliche Maßnahmen der Fürsten nützlich sind oder nicht (..

.) Ein Fürst sollt neu erobertes Gebiet nicht völlig entwaffnen. Dieser Vertrauensbeweis macht die neue hinzugewonnene Bevölkerung zu Parteigängern. Entwaffnet man sie, ruft dieses Mißtrauen und die Verletzung des Ergefühls, Haß und Mißgunst hervor. Eine entwaffnete Neuerwerbung müßte von Söldnern bewacht werden. Diese aber sind absolut unzuverlässig (siehe oben).

,,Ein neuer Fürst hat immer in seinem neuen Lande ein Heer aufgestellt. Er sollte aber nur diejenigen bewaffnen, die ihm gut gesonnen sind und auch diese schwach halten. Seine eigene Armee darf sich nur aus Truppen des Mutterlandes rekrutieren.`` Zwistigkeiten stiften selten etwas gutes, da die unterlegene Partei sich immer an fremde Eindringlinge wendet, um Hilfe zu erlangen. Zwistigkeiten können im Frieden nutzen, da die sich uneinigen Parteien sich nicht gegen den Fürsten verbünden. In Kriegszeiten können sie allerdings auch den Fall des Fürsten verursachen.

,,(...); denn niemals fehlt es dem Volk, wenn es einmal die Waffen ergriffen hat, an Fremden, die ihnen helfen.`` Fürsten erlangen Größe, wenn sich großen Widerstand überwinden. Deshalb gibt es einige, die meinen, ein Fürst sollte sich gewisse Feindschaften erhalten, um durch deren Überwindung Größe zu erlangen.

Dies wechselt aber je nach den Umständen. Diejenigen Gegner, die ohne Unterstützung ihre oppositionelle Position nicht aufrecht erhalten können, sind leicht zu besiegen. Diese müssen dem Fürsten dann umso treuer dienen, um ihre vorherige Gegnerschaft zu verwischen. Von diesen kann der Fürst mehr Nutzen haben, als von jenen, die ihm von Anfang an wohlgesonnen waren. Desweiteren muß ein Fürst erkennen, warum ihn die Einwohner eines neuerworbenen Staates zu Hilfe gerufen haben. Geschah dies, weil die Bevölkerung mit den früheren Zuständen unzufrieden war, wird er sie nur schwer zufriedenstellen können.

Dies kommt daher, daß man sich die, die mit dem alten Staat zufrieden waren, wie oben beschrieben, eher zunutze machen kann, als die, die unzufrieden waren und in der Regel in der Überzahl sind. Festungen sind je nach Umständen nützlich, oder nicht. Wenn sie gut für die eine Seite sind, sind sie schlecht für die andere. Feststellen läßt sich folgendes: Hat man mehr Angst vor dem eigenen Volk, sollte man Festungen bauen. Hat man mehr Angst vor Fremden, braucht man sie nicht. ,,Die beste Festung ist die, nicht vom Volk gehaßt zu werden.

`` Die besten Festungen helfen dir nicht gegen das eigene Volk, denn dieses wird in einem Aufstand immer Hilfe von Außen erhalten. ,,(...), so will ich den loben, der Festungen baut, und den, der keine baut, aber den tadeln, der im Vertrauen auf sie es für nichts erachtet, beim Volk verhaßt zu sein.`` Kapitel 21: Was ein Fürst tun muß, um zu Ansehen zu kommen Ehre erwirbt sich der Fürst durch große Unternehmungen und Beweise seines Mutes.

Als Beispiel Ferdinand von Aragonien, dem es durch seinen Krieg gegen die Mauren (1492, Granada) gelang, Aragonien und Kastilien unter seiner Krone zu vereinigen. Er finanzierte den Krieg durch Gelder der Kirche und des Volkes. Unter religiösem Vorwand plünderte und vertrieb er die Marranos (Juden), griff Afrika, Italien und Frankreich an und war erfolgreich. Auch im Inland muß man als großzügiger und bedeutender Mensch gelten (z.B. durch Belohnung strebsamer Bürger).

Ein ehrenvoller Fürst gilt als echter Freund oder ehrlicher Feind. In einem Konflikt zweier weiterer Staaten ist es besser, sich offen zu einer der Parteien zu bekennen und einen ehrlichen Krieg zu führen, als neutral zu bleiben. Sonst könnte der jeweilige Sieger, wahrscheinlich mit dem Wohlwollen des Besiegten, deinen Staat als weitere Beute einheimsen. Niemand wird dir dann zur Hilfe eilen, da der Sieger keine verdächtigen Neutralen in seiner Nähe haben will, und der Besiegte hilft ihm nicht, da du ihm zuvor auch nicht geholfen hast. ,,Und so wird dich immer derjenige, der es nicht gut mit dir meint, um Neutralität bitten, und der dir wirklich wohl will, wird immer wieder Unterstützung und Waffenhilfe verlangen.`` Unentschlossene Fürsten, die die Neutralität bevorzugen, gehen deshalb oft zugrunde.

Schlägst du dich aber auf die Seite des Siegers, so ist dir dieser zu Dank verpflichtet, egal wie mächtig er ist. Unterliegt dein Bündnispartner aber, so wird er dir dennoch weiterhin beistehen, solange er kann, vielleicht, bis das Blatt sich wieder wendet. Hast du dich vor dem Sieger nicht zu fürchten, solltest du um so eher Partei für ihn ergreifen, denn der Sieg ist mit deiner Hilfe ganz sicher, und Sieger und Besiegter geraten in deine Abhängigkeit. Ein Fürst sollte niemals mit einem mächtigerem Staat zusammenarbeiten, wenn ihn nicht die Notwendigkeit dazu zwingt. Im Falle des Sieges, wärst du dem Größeren ausgeliefert, und ein Fürst muß es vermeiden, von anderen abhängig zu sein. Der Fürst muß sich vor seiner Entscheidung, ob er Partei für die eine oder andere Nation ergreift oder neutral bleibt, darüber im Klaren sein, daß keine seiner Entscheidungen totale Sicherheit gewährleistet.

,,Denn es liegt nun einmal im Lauf der Welt, daß man einer Unbequemlichkeit zu entgehen sucht und wieder in eine andere fällt; aber die Klugheit besteht darin, die Größe der Unbequemlichkeiten zu erkennen und das kleinere Übel zu wählen.`` Ein Fürst muß jede Art von Tüchtigkeit belohnen. Jeder Bürger muß seinen Geschäften ungestört nachgehen dürfen und sollte niemals zu befürchten haben, daß ihm seinen Gewinne vom Staate in unangemessener Weise geschmälert werden könnten. Der Fürst muß vielmehr die belohnen, die in irgend einer Weise zum Wohle des Staates beitragen. Außerdem sollte der Fürst Feste und Feiern fördern, um den Bürgern Wohlbefinden zu ermöglichen. Er sollte Bürger-, Gilden- und Zunftversammlungen bei Gelegenheit beiwohnen und dort, ohne würdelos zu wirken, als menschenfreundlich und freigiebig auftreten.

Kapitel 22: Über die Minister der Fürsten Die Ministerwahl hängt von der Klugheit des Fürsten ab, denn sie sind nützlich, oder wertlos. Bildet man sich ein Urteil über einen Fürsten, betrachtet man zuerst diejenigen, mit denen er sich umgibt. Sind sie kompetent und treu, so wird über den Fürsten wahrscheinlich das selbe Urteil gesprochen, denn schließlich hat er die Tüchtigen erwählt und kann sie loyal halten. Wenn er aber schlechte Minister gewählt hat, so kann man kein gutes Urteil über ihn fällen, denn schließlich hat er seinen ersten Fehler schon mit der Wahl seiner Minister begangen. Der Fürst kann über drei Arten von Intelligenz verfügen. Er versteht alles von sich aus, er erkennt, was andere zu begreifen vermögen oder aber er erkennt, weder von sich aus, noch mit Hilfe anderer, irgendetwas.

,,Die erste ist die bedeutendste, die zweite ist gut und die dritte unbrauchbar.`` Verfügt ein Fürst nur über die zweite Intelligenz, so vermag er immerhin, das gute und das schlechte einer Tat zu bewerten, auch wenn sie nicht von ihm ist. Er kann seine Minister durchschauen, sie entsprechend loben oder tadeln, und diese werden nicht versuchen, ihn zu betrügen. Wie sind Minister zu bewerten? Sind sie egoistisch, so können sie sich nie als brauchbare Minister erweisen. Wer Staatsgeschäfte führt, darf nie an sich denken, sondern nur an das Wohl seines Fürsten. Der Fürst seinerseits muß, um die Loyalität seines Ministers zu würdigen, an ihn denken, ihm Ehre erweisen, ihn reich machen und alle erdenklichen Reichtümer und Ämter zukommen lassen, sodaß er nicht nach mehr streben kann und jede Änderung der Verhältnisse fürchten muß.

Stehen Fürst und Minister so zusammen, dann können sie einander trauen. Ist es nicht so, wird der eine oder der andere schlimm enden. Kapitel 23: Wie Schmeichler zu fliehen sind Unter den Höflingen findet sich eine Vielzahl von Schmeichlern. Selbstgefällige Menschen hüten sich vor dieser Pest nicht und laufen somit Gefahr, verachtet zu werden. Das einzige Mittel, Schmeicheleien zu verhindern, ist, den Leuten klarzumachen, daß sie ungestraft die Wahrheit sagen können. Sagt dir aber jeder die Wahrheit, so büßt du an Ansehen ein.

Also muß der Fürst die klügstem Männer erwählen und darf nur ihnen erlauben, ihm die Wahrheit zu sagen, und zwar nur in Dingen, nach denen er fragt. Er sollte jedoch möglichst viel fragen und dann entsprechende Entscheidungen treffen. Seine Berater sollten demnach umso angesehener sein, je offener sie sprechen, und nur auf diese soll er hören. Gefaßte Beschlüsse müssen unanfechtbar sein, denn wer aufgrund von Schmeichlern zu oft seine Beschlüsse ändert, wird verachtet. Ein Fürst soll sich nur dann beraten lassen, wenn er es wünscht, und niemals sonst. Es sollte ihm auch niemand ungefragt einen Rat erteilen, er soll jedoch häufig fragen, Antworten geduldig abwarten und verärgert reagieren, sollt man ihm Antworten vorenthalten, da ihn die Wahrheit wütend machen könnte.

,,Ein Fürst, der nicht von sich aus klug ist, kann niemals gut beraten werden, es sei denn, er verläßt sich auf einen einzelnen sehr gescheiten Mann, der ihn völlig leitet.`` Dann jedoch besteht die Gefahr, daß dieser Mann ihm die Krone entreißt. Ein unkluger Fürst wird seine Ratgeber niemals zu einem Entschluß bringen können, wenn sie uneins sind, da diese immer an ihren Vorteil denken. ,,Andere wird man nie finden; denn die Menschen sind traurige Gesellen, wenn sie nicht die Not zwingt, gut zu sein.`` ,,Daher schließe ich: gute Ratschläge, (..

.), müssen durch die Klugheit des Fürsten zustande kommen und nicht die Klugheit des Fürsten durch gute Ratschläge.`` Kapitel 24: Warum die Fürsten Italiens ihre Herrschaft verloren haben Ein neuer Fürst wird in seiner Handlungsweise viel mehr beobachtet, als ein alteingesessener Erbfürst. Sind seine Taten von Größe geprägt, so kommt er zu größerem Ruhm als ein Erbfürst, denn Menschen lassen sich eher durch die Gegenwart als durch die Vergangenheit bestimmen. ,,(..

.) und wenn sie heute das Glück finden, dann freuen sie sich daran und suchen nichts anderes; sie werden in jeder Weise zu seinem Schutze für ihn [den Fürsten] eintreten, falls er es nur einerseits an allem übrigen nicht fehlen läßt.`` ,,So wird er doppelten Ruhm erwerben, weil er einer neuen Herrschaft den Fürsten gegeben, sie durch seine guten Gesetze zu Ehren gebracht und durch ein tüchtiges Heer und bedeutende Taten bestärkt hat. Doch den trifft doppelte Schande, der, obwohl Fürst von Abstammung, sie durch seine Torheit verloren hat.`` (..

.) So sollen auch Erbfürsten in Zeiten der Ruhe keinen Aufwand und keine Aufgabe scheuen. ,,(Es ist ein allgemeiner Fehler der Menschen, nicht in den Zeiten der Meeresstille mit dem Sturm zu rechnen.)`` Auf das Volk sollte man sich nicht verlassen, denn dann steht es nicht in deiner Macht, ob du im Amt bleibst oder nicht, oder ob du in den Amt zurückgeholt wirst oder nicht. ,,Nur der Selbstschutz ist brauchbar, zuverlässig, dauerhaft und ist von dir persönlich und deiner Tüchtigkeit abhängig.`` Kapitel 25: Wieviel Fortuna in den menschlichen Dingen vermag und wie man ihr entgegenwirken kann Zweifellos gibt es Schicksale und Abläufe, an denen wir nichts ändern können.

Unser freier Wille aber bleibt immer bestehen. Also gleicht sich Schicksal und Selbstbestimmung aus. Dies läßt sich vergleichen mit den Urgewalten einer Überschwemmung, die jeden Menschen in die Flucht schlägt. Dennoch können diese in ruhigeren Zeiten Deiche und Gräben bauen um die Fluten aufzuhalten.

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