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 Interpretation der kurzgeschichte "nachts schlafen die ratten doch"

Sven Niemann & Lennart Marx Gliederung Thema: Interpretation der Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. I. Einleitung Aufbau und Ziel der Untersuchung II. Hauptteil a. Grundlagen i. Historischer Hintergrund ii.

Wolfgang Borchert iii. Trümmerliteratur 1. Begriffsklärung b. Interpretation der Geschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" i. Inhaltsangabe ii. Interpretation c.

Aussage der Geschichte (im Bezug auf die Nachkriegszeit) III. Schluss Sven Niemann & Lennart Marx 1 Facharbeit Thema: Interpretation der Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. IV. Einleitung Wir haben uns entschlossen mit der Erläuterung des Historischen Hintergrundes der sogenannten Trümmerliteratur zu beginnen. Anschließend werden wir kurz auf Wolfgang Borchert als Person eingehen und sein Leben in einer kurzen Biographie darstellen. Wir hielten dies für sinnvoll, da seine Werke durch die Zeit, in der er gelebt hat, geprägt sind.

Es folgt die Begriffsklärung von Trümmerliteratur. Dann gehen wir auf die Kurzgeschichte ein. Beginnend mit einer kurzen Inhaltsan-gabe der Geschichte. Es folgt eine ausführliche Interpretation. Anschließend werden noch einmal die Aussagen der Geschichte kurz aufgeführt. V.

Hauptteil a. Grundlagen i. Historischer Hintergrund Die Literatur der Nachkriegszeit macht deutlich, wie wenig die rasante äußere Entwicklung der inneren Verfassung, der Bevölkerung angemessen war. Die spezifisch deutsche Entwicklung seit 1933 wurde in einen übergeordneten Geschichtsprozess eingebettet und dadurch in ihrer eigenen Problematik verdrängt. Diesen Prozess veranschaulicht die Literaturgeschichte: War 1945/46 die Produktion zahlenmäßig gering und, auch aufgrund des Papier-mangels, weitgehend auf Zeitschriften angewiesen, so legte die erste Frankfurter Buchmesse 1949 vom Entstehen eines eigenen literarischen Marktes Zeugnis ab; hier hatte die Entwicklung von der Enge zur Weite geführt. Aber es gilt auch umgekehrt: Verstand sich die erste Nachkriegsliteratur im weitsten Sinne politisch, so hatte sie sich 1949 wieder in die Isolation der reinen Kultur zurückgezogen.

Den markantesten Punkt innerhalb dieser Entwicklung bildet 1947 das Verbot der Zeitschrift ,,Der Ruf" und die Gründung der ,, Gruppe 47". In dieser Zwischengeneration der 30-bis 40 jährigen war der Wille zum grundlegenden Wandel auch der politisch wirtschaftlichen Strukturen am stärksten ausgeprägt. Mit der wachsenden Restauration gerieten aber diese Autoren an den Rand der kulturellen Szene, sie bildeten den Kern kritischen Opposition der 50er Jahre oder wurden vergessen. Schließlich traten Ende 1946 wirklich junge Autoren hervor. Sie waren unter dem Nationalsozialismus herangewachsen, für sie bedeutete das Jahr 1945 den Zusammenbruch der einzigen Welt, die sie kannten Der traditionellen deutschen und der modernen westlichen Literatur war die skeptische Sicht der Geschichte gemeinsam. Denn der deutsche Faschismus war nur der folgenschwerste Schritt einer insgesamt antidemokratischen Entwicklung Europas in den 30er Jahren gewesen.

ii. Wolfgang Borchert Borchert wurde am 20.Mai 1921 in Hamburg geboren und trat nach einer Buchhändlerlehre als Schauspieler in Lüneburg auf. Im 2.Weltkrieg schwer verwundet, wurde er zunächst entlassen, dann aber aufgrund kritischer Äußerungen inhaftiert und wegen "Wehrkraft-zersetzung" zum Tod verurteilt. 2 Danach musste er zur Bewährung an die Ostfront.

Nach dem Krieg arbeitete Borchert als Regieassistent und als Kabarettleiter am Hamburger Schauspielhaus. Er starb am 20.November 1947 während eines Kuraufenthalts in Basel. iii. Trümmerliteratur 1. Begriffsklärung Trümmerliteratur ist gemeinsam mit Kahlschlagliteratur ein Schlagwort für jene programmatische literarische Produktion einer jungen Autorengeneration innerhalb der deutschen Literatur, die nach Ende des 2.

Weltkriegs von 1945 bis 1949 einen grundlegenden Neubeginn in Form, Sprache und Thematik versuchte. Das Interesse der unmittelbaren Nachkriegsrealität und ihren Motiven (Tod, Ruinenlandschaft, Gefangenschaft, Heimkehr, Schuld und Sühne, Not etc.)galt dabei; ebenso wie die Rede von der "Stunde Null" zeigte auch der Begriff des "Kahlschlags" den unbedingten Willen der Schriftsteller zu einem radikalen Neubeginn. Formal bedeutete dies eine äußerste Verknappung der sprachlichen Mittel, als Antwort auf den Sprachmissbrauch durch die Propaganda des National-sozialismus; programmatisch hierfür wurde Günter Eichs Gedicht Inventur ("Dies ist meine Mütze, / dies ist mein Mantel, / hier mein Rasierzeug / im Beutel aus Leinen"). Als weitere beispielhafte Werke der Trümmerliteratur gelten in West-deutschland die Gedichte und Erzählungen des Kriegs-heimkehrers Wolfgang Borchert, vor allem aber sein Drama "Draußen vor der Tür" (1947), sowie die Kurzgeschichten, Gedichte und Hörspiele von Autoren wie Hans Erich Nossack, Ernst Schnabel, Wolfdietrich Schnurre und Wolfgang Wey-rauch. b.

Interpretation der Geschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" i. Inhaltsangabe Ein Junge döst am Ende des Zweiten Weltkriegs in einer zerstörten Stadt in Deutschland vor sich hin. Als plötzlich ein krummbeiniger, älterer Mann vor ihm steht und ihn fragt, was er hier tue. Der Junge antwortet, dass er aufpasse. Er will aber nicht sagen worauf er aufpasst. Der alte Mann erzählt von seinen Kaninchen und bietet dem Neun-jährigen an, sie ihm zu zeigen.

Der Junge würde gerne mitgehen, muss aber aufpassen. Als der Mann weggehen will, verrät der Junge ihm doch noch sein Geheimnis: Er passe auf, dass die Ratten seinen vier-jährigen Bruder nicht anfressen. Die Leiche liege noch unter dem von einer Bombe getroffenen Haus. Er passe immerzu auf, tags und nachts. Sein Lehrer habe ihn dazu angewiesen. Nachts schlafen die Ratten doch, sagt der Mann, der Junge könne ruhig nach Hause gehen.

Es ist Abend, und so verspricht der Mann, dem Jungen ein kleines Kaninchen mitzubringen, wenn es dunkel wird. Und dann würde er den Jungen nach Hause begleiten, um seinem Vater zu sagen, wie man so ein Kaninchenstall baut. ii. Interpretation In den ersten Zeilen legt der Erzähler gleich den Ort der Handlung fest. Aus der Genauigkeit der Ortsbeschreibung taucht eine Reihe von Farbkontrasten - die einem Borchert gut bekannten Farbexpressionis-mus entstammen - und Vermenschlichungen auf, die den Leser in eine irreal wirkende Szene führt. Man sieht vor sich, was von einem zer-störten Gebäude übriggeblieben ist: eine Mauer mit einem hohlen Fenster, Schornsteinresten und Schutt.

Die Mauer aber ist "verein-samt", das Fenster "gähnt" und die Schuttwüste "döst". In der Vermenschlichung leben die Überreste eines Lebens weiter, das sich jetzt nur noch als leidende Verwüstung und zugleich als träge Duldsam-keit darlegt. Etwas in der zerstörten Welt lebt noch, und das plötzliche Erscheinen einer Figur, angezeigt durch das Pronomen 3 "Er", weist nicht nur auf die Anwesenheit eines menschlichen Wesens hin, sondern stellt gleichzeitig auch den eigentlichen Beginn der Erzählung dar. Das vorangestellte expressionistische Bild dient als starker Hintergrund und Rahmen, und kündigt - wie später deutlich wird - auf symbolische Weise das an, was sich zwischen den Gestalten noch ereignen wird. Schuttwüste und Leben sind Gegensätze, aber schon hier lässt sich erkennen, dass die Natur (die Sonne) dazu in der Lage ist, die Dinge wiederzubeleben. Durch das Prädikat "dösen" und die Bestimmung "er hatte die Augen zu" (später auch durch die erste Frage des Mannes: "Du schläfst hier [.

..]?") wird die Gestalt des "Er" in eine enge Verbindung zu seiner Umwelt gebracht, so dass er wie ein Bestandteil derselben erscheint und die Vermutung nahelegt, dass er ebenso entstellt und leidend ist. Mit dem plötzlichen Auftauchen einer weiteren Gestalt erhöht sich die Spannung. Die im Schutt liegende Figur wird nun von Angst erfüllt. Mit dem Blinzeln verschiebt sich die Perspektive von außen auf die Sicht dieser Gestalt.

In ihrer Perspektive (auch Innenperspektive genannt) erscheint das Bild des hinzugestoßenen Fremden. Die Angst-gefühle werden von einer Feindseligkeit ersetzt, die auch dann noch vorhanden ist, als sich herausstellt, dass der "ältere Mann" nichts Bedrohliches an sich hat und der Gedanke des Liegenden ("Jetzt haben sie mich!") nur Ausdruck tief verwurzelter Angst ist, die sein Verhält-nis zur Welt entscheidend beeinflusst. Wenn auch der erste Schrecken langsam vorübergeht, so sinkt doch die Spannung zwischen der Außen-welt und ihrer Wahrnehmung nicht. Das spiegelt sich vor allem in dem zwischen den beiden Figuren entstehenden Gespräch wider. Der Mann ist weder argwöhnisch noch feindselig. Der andere, der erst jetzt einen Namen erhält (während er vorher nur ein namenloser Be-standteil seiner Umwelt war) ist in seiner Beziehung zu dem Alten sehr abweisend.

Durch die widerwilligen Antworten Jürgens entwickelt sich ein gespanntes, mühsames Gespräch, wobei sich aber beide Figuren und auch das Geschehen allmählich charakterisieren. Dazu tragen die Ein-griffe des Erzählers bei, der Jürgens Perspektive nun wieder verlässt und wieder mit auktorialer Optik, d.h. aus der Außenperspektive erzählt. Er geht auf die ruhigen Bewegungen des Mannes ein (dessen Namen wir auch später nicht erfahren werden) und das Verhalten Jürgens, das nach den vielen Fragen des alten Mannes einmal als "mutig", dann wieder als "verächtlich" beschrieben wird. Aus diesem Verhalten, der Hartnäckigkeit und der von Jürgen verwendeten Ausdrucksweise, um zu verheimlichen, worauf er aufpasst, lässt sich schließen, dass es ein sehr junger Mensch sein muss.

Das wird auch durch die Art und Weise (und durch die Strategie) des Fragens von Seiten des Mannes deutlich. Er passt sich nämlich der Psychologie seines Gegenübers durch seine Ausdrucksweise an, die immer mehr pädagogisch wird: "Dann sage ich dir natürlich auch nicht, was ich hier im Korb habe". Das Beharren des Erzählers, in diesem ersten Teil der Kurzgeschichte, die Bestimmung der Identität der Figuren hinauszuzögern, bewirkt, dass die Spannung erhalten bleibt. Sie wird sogar im Verlaufe des Gesprächs noch verstärkt, weil sich die Absicht des Alten klar herausstellt, dem Geheimnis Jürgens auf die Spur kommen zu wollen, um ihm gegebe-nenfalls zu helfen. Er meint es gut mit dem Jungen und lockt ihn dann in eine ,Falle'. Das Ausfragen des Alten wird jetzt immer geschickter.

Um Jürgens Schweigen zu brechen, wird er sehr schmeichlerisch und herausfordernd, stellt einfache Fragen. Der Alte will dadurch, dass er dass Vertrauen des Jungen erhält, an ihn heran kommen. Als er ihm von den Kaninchen (etwas Lebendigem) erzählt, ist der Wendepunkt der Geschichte erreicht. Diese Mitteilung weckt die kindlichen Interessen des Jungen und greift seine Abwehr an. Seine kaputte Welt scheint für einen Augenblick außer Kraft gesetzt und vergessen. Das im ersten Teil der Geschichte angedeutete Beängstigende und Tragische und das in der Luft schwe-bende Geheimnis treten in den Hintergrund und werden von einem triumphierenden Lebensbild ersetzt.

In diesem Moment ist Jürgen ganz Kind und damit wehrlos. Dem Mann ist es somit gelungen, sein Ver-trauen zu gewinnen. Aus dem vermeintlich starken Wesen, das durch die Bestimmung des Erzählers als "mutig", "verächtlich", "gering-schätzig" charakterisiert wurde, schält sich ein Kind, das seiner Pflicht gegenüber "unsicher" wird. Es fängt an, dem alten Mann die Gründe seines Verharrens in der Ruine mitzuteilen ("ich muß doch aufpas-sen", "Nachts auch. Immerzu. Immer"), aber er "flüstert" dabei, spricht "zaghaft" und 4 "traurig".

Hierbei wechseln Verhaltens- und Sprechweise gleichzeitig. Dadurch wird die Figur als Kind immer deutlicher gekennzeichnet: Der im Erstaunen geöffnete "runde Mund" charakterisiert ganz deutlich die Persönlichkeit des Kindes; das "Aufpassen müssen", "nachts auch. Immerzu" und die "Blech-schachtel" stellen hingegen einen Widerspruch zur kindlichen Welt dar, denn sie gehören zur Welt der Großen. Aber die Realität, die Jürgen umgibt, zeigte schon vorher die Zeichen einer umgestürzten Welt: den Schutt, die Angst, festgenommen zu werden, die Betonung eines unauf-hebbaren, gefährlichen Zwangs. Der Grund für diese Veränderung der Welt ist noch ungeklärt - und wieder bedarf es eines psychologischen Tricks, um endlich an das Geheimnis des Jungen heranzukönnen. Dieses schließlich zeichnet ein tragisches Bild der Welt: das Kind, das die Totenwache für seinen Bruder hält, ihn vor den Ratten schützt, "die doch von Toten essen".

Der Krieg hat die kindliche Welt durchein-ander gebracht: Er zerstört Dinge und Menschen und trifft mit der gleichen Wucht auch auf die Seele der noch am Leben gebliebenen Kinder. Er beraubt sie ihrer Kindheit, zwingt sie zum Anblick unsag-barer Gräuel, verweigert ihnen dadurch ihre kindliche Beziehung zur Realität und den Menschen. Sie werden somit dazu gezwungen, die Dinge aus der Perspektive der Erwachsenen zu sehen. Der Alte in der Erzählung sucht weder Trostworte für das Kind, noch versucht er es von seiner selbst aufgezwungenen Pflicht abzubringen. Statt dessen findet er einen Weg, der Jürgens großes Opfer nicht mindert, das Kind aber dafür wieder in den Lebensraum zurückführt, dem er eigentlich zugehören sollte: Die Notlüge, die der Mann benutzt - "Nachts schlafen die Ratten doch" - hat eine rettende Funktion. Als dem Bereich des Lebens zugehöriger Hüter und Förderer schenkt er dem Kind also eine Art Zuflucht, eine neue Perspektive finden zu können.

Jürgens Vorstel-lung nimmt unmittelbar das Hoffnungsangebot an und fixiert es in Bildern, die allmählich wieder Leben in sich aufnehmen: Das Bild der fresslustigen Ratten wird in seinem Inneren vom Bild der Kaninchen ersetzt, die hier als das Symbol des Lebens gelten. Die krummen Beine des Mannes, die von der Sonne noch einmal beschienen werden (die Wiederholung erhöht die Bedeutung der Funktion des vom Leben ge-zeichneten Alten), sind ein Signal dafür, dass er schon am Anfang als Vermittler des Lebens dasteht: Sie lassen die Sonne hindurchscheinen, so dass das Leben in Jürgen hineinströmen kann. Selbst die Farben, deren symbolische Bedeutung sich im Verlauf der Erzählung weiter verdeutlicht, gehören zum Werk des Alten. Die Farben, die der Erzähler zu Beginn gebraucht ("blaurot") oder sug-geriert (grau und grün) oder später verwendet ("weiß", "grau", "weißgrau"), erscheinen zum Teil am Ende der Kurzgeschichte wieder: die Sonne bleibt "rot", das Kaninchenfutter wird schließlich "grün", und "grau" ist am Ende die Farbe des Schutts, die jedoch auch auf das Kaninchenfutter abfärbt. Wenn man sich vorstellen wollte, worauf dieses "grün " hinweist, das etwas "grau vom Schutt" geworden ist, dann könnte man es als Symbol für die Annäherung des Alten (des Lebens) an das Tragische sehen. Er hat sich zwar von der Nachtwelt des Krieges berühren lassen, doch er behält bis zum Ende seine lebensspen-dende Funktion.

Die dynamische Entwicklung dieser Kurzgeschichte (Borchert gilt als hervorragender Vertreter dieser in der Nachkriegsliteratur neu verwen-deten Form) wird durch einen Prozess in Gang gebracht, der aus der Welt der Trümmer, des Todes, des Misstrauens, der Nacht, zurück in die Welt des Vertrauens, des Lichtes, der Freundschaft, des Lebens führt. Dabei werden immer wieder sowohl sprachliche als auch bild-liche Gegensätze verwendet und nebeneinandergestellt. Durch ihr Auf-einanderprallen entwickelt sich die Handlung. Diese Handlung - der Übergang von einem Zustand (grau, düster, trostlos, tot) in einen an-deren (rot, warm, lebendig, hoffnungsvoll) - entsteht im und aus dem Gespräch. Die Handlung, durch die sich diese Entwicklung vollzieht - d.h.

den Übergang von einem Zustand in den anderen - entsteht im und aus dem Gespräch. Schon zu Anfang hatte sich der jeweilige sprachlich-stilistische Raum bereits stark differenziert, obwohl beide Gestalten während des gesam-ten Gesprächs die Umgangsprache verwenden. Bei Jürgen sind es hauptsächlich kurze Sätze und auch Satzbrocken; manchmal antwortet er sogar bloß einsilbig. Der Alte gebraucht ebenso kurze Sätze, anfangs fast ausschließlich Fragesätze und später auch Aussagesätze ("Na, denn nicht [...

]"). Kurz nach dem ersten Annäherungsversuch von Seiten des Mannes differenziert sich das Sprechen beider Gestalten noch mehr. Beim Alten ist es von der Absicht geprägt, 5 in die Seele des Kindes ein-zudringen und sein Geheimnis zu erfahren. Dadurch weitet sich sein Sprechen aus und nimmt neue Bezüge an. Sein Ausfragen und seine Bemerkungen bezüglich Jürgens Antworten, beginnen schon in diesem Teil von der bereits erwähnten psychologischen Strategie bestimmt zu werden. Diese wird nach den ersten positiven Ergebnissen raffinierter, als Jürgen nämlich anfängt, erste Andeutungen bezüglich seines Ge-heimnisses zu machen.

Später benutzt der Mann den schon früher gebrauchten Trick des ,Einverständnisses in die Verneinung' ("Na, denn nicht [...]"; "Naja, wenn du hierbleiben musst [...

]") und verursacht dadurch die ersten wahren Zugeständnisse des Kindes und schließlich den eigentlichen Bericht. Wie schon zu Beginn des Ge-sprächs mit dem Hinweis "Der Mann sah von oben auf das Haarge-strüpp herunter", führt der Erzähler auch hier wieder mit demselben hervorhebenden Eingriff, eine weitere, d.h. die letzte Phase des Dialogs ein, in welcher sich Jürgens Wandlung vollzieht. Zusammen mit der Notlüge, die nur das entsetzlichste Grauen zu beseitigen versucht, wirkt das versprochene Kaninchen, therapeutisch' vervollständigend, weil es dadurch wieder das Innenleben des Jungen herstellt. Was die Sprech-weise des Kindes hingegen betrifft, so verwandelt sich diese ganz offensichtlich zunehmend, zuerst nachdem Jürgen erfahren hat, dass der Alte 27 Kaninchen besitzt (sie wird zwar unsicherer, doch etwas freier) und dann besonders nach dem mühsamen, in gebrochenen Sätzen ge-flüsterten Bericht des furchtbaren Erlebnisses während des Bomben-angriffs.

Sein Sprechen wird allmählich direkter und vollständiger: Das Kind äußert seine Zweifel, fragt zurück und bittet um ein Kaninchen. Am Ende wird sein Sprechen sogar zum Rufen, das voll von Leben und Hoffnung auf ein bisschen Glück in der zerstörten Welt ist. c. Aussage der Geschichte (im Bezug auf die Nachkriegszeit) · Die ältere Generation muss dafür sorgen, der jüngeren wieder einen Lebenswillen zu geben · Der Text soll den Leser dazu anregen, Lösungsmöglich-keiten zu finden, und der jüngeren Generation wieder Mut machen · Jede Generation ist mitverantwortlich ("Mitschuld") VI. Schluss Zusammenfassend kann man sagen, dass wir alle Aufgaben, die wir uns gestellt, im Großen und Ganzen auch erfüllt haben. Dies war allerdings teilweise nicht gerade einfach, da doch nicht so viel Material vorhanden, wie wir glaubten.

Deshalb lag der Schwerpunkt auf der Interpretation der Kurzgeschichte. Der Titel der Geschichte wies gleich auf etwas ungewöhnliches hin, da Wolfgang Borchert sonst eher Titel verwendet wie "Das Brot" oder "Draußen vor der Tür". Aus diesem Grund haben wir uns für diese Geschichte entschlossen. Positiv an der Geschichte ist, dass sie ein System hat, dass aus mehreren Phasen besteht. Das hohle Fenster in der vereinsamten Mauer gähnte blaurot voll früher Abendsonne. Staubgewölke flimmerte zwischen den steilgereckten Schornsteinresten.

Die Schuttwüste döste. Er hatte die Augen zu. Mit einmal wurde es noch dunkler. Er merkte, dass jemand gekommen war und nun vor ihm stand, dunkel, leise. Jetzt haben sie mich! dachte er. Aber als er ein bisschen blinzelte, sah er nur zwei etwas ärmlich behoste Beine.

Die standen ziemlich krumm vor ihm, dass er zwischen ihnen hindurchsehen konnte. Er riskierte ein kleines Geblinzel an den Hosenbeinen hoch und erkannte einen älteren Mann. Der hatte ein Messer und einen Korb in der Hand. Und etwas Erde an den Fingerspitzen. Du schläfst hier wohl was? fragte der Mann und sah von oben auf das Haargestrüpp herunter. Jürgen blinzelte zwischen den Beinen des Mannes hindurch in die Sonne und sagte: Nein, ich schlafe nicht.

Ich muss hier aufpassen. Der Mann nickte: So, 6 dafür hast du wohl den großen Stock da? Ja, antwortete Jürgen mutig und hielt den Stock fest. Worauf passt du denn auf? Das kann ich nicht sagen. Er hielt die Hände fest um den Stock. Wohl auf Geld, was? Der Mann setzte den Korb ab und wischte das Messer an seinem Hosenboden hin und her. Nein, auf Geld überhaupt nicht, sagte Jürgen verächtlich.

Auf ganz etwas anderes. Na, was denn? Ich kann es nicht sagen. Was anderes eben. Na, denn nicht. Dann sage ich dir natürlich auch nicht, was ich hier im Korb habe. Der Mann stieß mit dem Fuß an den Korb und klappte das Messer zu.

Pah, kann ich mir denken, was in dem Korb ist, meinte Jürgen geringschätzig, Kaninchenfutter. Donnerwetter, ja! sagte der Mann verwundert, bist ja ein fixer Kerl. Wie alt bist du denn? Neun. Oha, denk mal an, neun also. Dann weißt du ja auch, wieviel drei mal neun sind, wie? Klar, sagte Jürgen und um Zeit zu gewinnen, sagte er noch: Das ist ja ganz leicht. Und er sah durch die Beine des Mannes hindurch.

Dreimal neun, nicht? fragte er noch mal, siebenundzwanzig, Das wusste ich gleich. Stimmt, sagte der Mann, genau soviel Kaninchen habe ich. Jürgen machte einen runden Mund: Siebenundzwanzig? Du kannst sie sehen. Viele sind noch ganz jung. Willst du? Ich kann doch nicht. Ich muss doch aufpassen, sagte Jürgen unsicher.

Immerzu? fragte der Mann, nachts auch? Nachts auch. Immerzu. Immer. Jürgen sah an den krummen Beinen hoch. Seit Sonnabend schon, flüsterte er. Aber gehst du denn gar nicht nach Hause? Du musst doch essen.

Jürgen hob einen Stein hoch. Da lag ein halbes Brot. Und eine Blechschachtel. Du rauchst? fragte der Mann, hast du denn eine Pfeife? Jürgen faßte seinen Stock fest an und sagte zaghaft: ich drehe. Pfeife mag ich nicht. Schade, der Mann bückte sich zu seinem Korb, die Kaninchen hättest du ruhig mal ansehen können.

Vor allem die jungen. Vielleicht hättest du dir eines ausgesucht. Aber du kannst hier ja nicht weg. Nein, sagte Jürgen traurig, nein nein. Der Mann nahm den Korb und richtete sich auf. Na ja, wenn du hierbleiben musst - schade.

Und er drehte sich um. Wenn du mich nicht verrätst, sagte Jürgen da schnell, es ist wegen den Ratten. Die krummen Beine kamen einen Schritt zurück: Wegen den Ratten? Ja, die essen doch von Toten. Von Menschen. Da leben sie doch von. Wer sagt das? Unser Lehrer.

Und du passt nun auf die Ratten auf? fragte der Mann. Auf die doch nicht! Und dann sagte er ganz leise: Mein Bruder, der liegt nämlich da unten. Da. Jürgen zeigte mit dem Stock auf die zusammengesackten Mauern. Unser Haus kriegte eine Bombe. Mit einmal war das Licht weg im Keller.

Und er auch. Wir haben noch gerufen. Er war viel kleiner als ich. Erst vier. Er muss hier ja noch sein. Er ist doch viel kleiner als ich.

Der Mann sah von oben auf das Haargestrüpp. Aber dann sagte er plötzlich: Ja, hat euer Lehrer euch denn nicht gesagt, dass die Ratten nachts schlafen? Nein, flüsterte Jürgen und sah mit einmal ganz müde aus, das hat er nicht gesagt. Na, sagte der Mann, das ist aber ein Lehrer, wenn er das nicht mal weiß. Nachts schlafen die Ratten doch. Nachts kannst du ruhig nach Hause gehen. Nachts schlafen sie immer.

Wenn es dunkel wird, schon. Jürgen machte mit seinem Stock kleine Kuhlen in den Schutt. Lauter kleine Betten sind das, dachte er, alles kleine Betten. Da sagte der Mann (und seine krummen Beine waren ganz unruhig dabei): Weißt du was? Jetzt füttere ich schnell meine Kaninchen und wenn es dunkel wird, hole ich dich ab. Vielleicht kann ich eins mitbringen. Ein kleines oder, was meinst du? Jürgen machte kleine Kuhlen in den Schutt.

Lauter kleine Kaninchen. Weiße, graue, weißgraue. Ich weiß nicht, sagte er leise und sah auf die krummen Beine, wenn sie wirklich nachts schlafen. Der Mann stieg über die Mauerreste weg auf die Straße. Natürlich, sagte er von da, euer Lehrer soll einpacken, wenn er das 7 nicht mal weiß. Da stand Jürgen auf und fragte: Wenn ich eins kriegen kann? Ein weißes vielleicht? Ich will mal versuchen, rief der Mann schon im Weggehen, aber du musst hier solange warten.

Ich gehe dann mit dir nach Hause, weißt du? Ich muss deinem Vater doch sagen, wie so ein Kaninchenstall gebaut wird. Denn das müsst ihr ja wissen. Ja, rief Jürgen, ich warte. Ich muss ja noch aufpassen, bis es dunkel wird. Ich warte bestimmt. Und er rief: Wir haben auch noch Bretter zu Hause.

Kistenbretter, rief er. Aber das hörte der Mann schon nicht mehr. Er lief mit seinen krummen Beinen auf die Sonne zu. Die war schon rot vom Abend und Jürgen konnte sehen, wie sie durch die Beine hindurchschien, so krumm waren sie. Und der Korb schwenkte aufgeregt hin und her. Kaninchenfutter war da drin.

Grünes Kaninchenfutter, das war etwas grau vom Schutt. Quellenverzeichnis Primärliteratur: Borchert, Wolfgang. Draußen vor der Tür. 85. Auflage Februar 2003. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Reinbeck bei Hamburg 1956. Sekundärliteratur: http://www.leixoletti.de/interpretationen/nachtssc.htm Microsoft Encarta Enzyklopädie 2002 http://www.dhm.

de/lemo/html/biografien/BorchertWolfgang/ http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/nullpunkt/pdf/borchert_ratten.pdf 8

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