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  Krank durch die kirche

Krank durch die Kirche? Katholische Sexualmoral und psychische Störungen  A.Der krankmachende katholische Negativ- Katechismus und seine Korrektur   (S.19)1. Gott ist ein unberechenbarer Despot Wahr ist vielmehr: Gott ist der unaussprechlich tiefe Grund, aus dem und in dem alles entspringt. 2. ER hat sich absolut an die Kirche gebunden.

Was sie tut, tut ER durch sie. Wahr ist vielmehr: Die Kirche entsteht durch eine Reaktion der Menschen auf Gottes Wirken. Sie ist im Glauben an IHN gebunden. 3. Daher muss man der Lehre der Kirche gehorsam sein und jede Abweichung beichten. Sonst kommt man in die Hölle.

Wahr ist vielmehr: Nur die eigene verantwortliche Freiheit kann gesund machen. Sie ist von Gott garantiert. Es gibt keine von IHM vorbereitete ewige Straf- Hölle. 4. Die Kirche sagt was Sünde ist, und hat auch die Gnadenmittel zu vergeben. Wahr ist vielmehr: Die Kirchengemeinschaft als Ganzes gibt den Zugang zu Bereichen, die der bloßen Vernunft verschlossen sind.

(S.20)5. Hauptformen der Sünde sind: Unkeuschheit.Ungehorsam...

usw. Wahr ist vielmehr: Die Zentrierung auf den äußerlichen Sündenbegriff ist ein krankmachendes Symptom. Sünde ist ein absoluter Verneigungsvorgang in der Tiefe einer Person. 6. Hauptstrafen für die Sünder sind: Leiden aller Art zur Besserung oder in schweren Fällen die ewige Hölle. Wahr ist vielmehr: Die Handlungen des Lebens haben Lohn oder Strafe zu allererst in sich.

Die Höllenphantasien sind eine schreckliche Projektion. 7. Wenn es einem gut geht, ist das ein Zeichen, dass man der Hölle zugeht. Wahr ist vielmehr: Das Gute im Leben ist wie das Leben selbst ein göttliches oder menschliches Geschenk. 8. Beständige Angst und Furcht vor Gott hingegen führen zum Himmel.

Wahr ist vielmehr. Die Angstpädagogik ist aufgehoben. Jetzt gilt freie Wegwahl zu Gott hin und freiwillige, spirituelle Nachfolge Jesu. 9. Der Zwangszölibat ist Kristallisationspunkt des katholischen Glaubens. Wahr ist vielmehr: Der Zwangszölibat ist eine Fehlentwicklung und selbst die Quelle zahlreicher Folgeprobleme.

(S.21)10. Der Gehorsam dem Papst oder Kirchenoberen gegenüber ist die Bestätigung der Kirchenidentität nach außen hin. Wahr ist vielmehr: Die außengesteuerte Kirchenidentität führt zu Heuchelei und Verdeckung der existentiellen Wahrheit. Dieses katholische Negativ- Glaubensbekenntnis ist rundum in destruktive Gestimmtheiten gehüllt.   B.

Die wichtigsten destruktiven Glaubensgestimmtheiten   (S.22)1. Latente Depressivität und Pessimismus 2. Dauerheuchelei, um die Kluft zwischen den Idealen und der Wirklichkeit wenigsten dem Scheine nach zu schließen. 3. Eine märtyrerharte, oft narzisstische Leidenstimmung.

4. Eine latente homoerotische Gestimmtheit. 5. Eine kindlich regressive Gestimmtheit (Abwehr der Erwachsenheit).   C. Typisch kirchenkranke Begebenheiten.

Eine Grundtypologie   (S.23)Sie stehen für viele, ganz ähnliche Begebenheiten, die immer wieder berichtet werden. Sie sind ein Typus krankmachenden Geschehens. Wie die Vorgänge laufen, welche Rolle der Klerus spielt, welche Rolle die Kirche am Ort, welches Gewicht die Familienerziehung ausübt usw., das wird dabei erstmals in den Blick kommen.   1.

Beispiel: „Unten bin ich ganz zu!“ Anna und die Folgen frommer Prügel Eine 55järige Frau ist Tochter eines Landarztes. Dieser war sehr katholisch und sehr streng. (S.24)Als eines Tages in der Familie Gäste eingeladen waren. Die Kinder der Gäste besetzten ihr Zimmer und benutzen Annis Spielsachen ohne zu fragen. Sie protestierte und es gab lauthals Streit.

Ihre Eltern wurden aufmerksam. Der Arzt- Vater schnappte Anni beim Genick, schon sie in sein Arbeitszimmer, legte sie übers Knie und verdrosch sie ordentlich. Dabei sagte er:“ Du wirst nie wieder so streitsüchtig sein! Du wirst jetzt nicht schreien, sonst bekommst du nur noch mehr Schläge!“. Anni erstarrte vor Schreck und Schmerz. Die Mutter im Nebenzimmer tat, als ginge sie das ganze nichts an. Der Vater war das Haupt der Familie und sprach im Namen Gottes.

Von da an war Anni wieder ein braves Kind- pflegeleicht, Vorzugsschülerin und makellose Erstkommunikantin. (S.25) Aber niemals hatte sie so etwas wie erotische Gefühle verspürt und war gänzlich unfähig nur irgendjemandem nahe zu kommen. Denn vom Kopf abwärts war bereit „unten“, und unten war sie tot. Der strenge Vater fürchtete sich, je älter er wurde, desto mehr vor dem Tod. Er hatte große Angst vor der Hölle, die sich in den Nächten zur Panik steigerte.


Die Mutter war unerreichbar. Sie war ununterbrochen unterwegs. Zweimal versuchte es Anni doch mit Männern. (S.26) Aber vom Halse abwärts war Schluß mit mir. Es war wie eine unsichtbare Grenzlinie, die sie unterteilte.

Wie gesagt: Unten war sie einfach zu.   Was sagt die Therapie dazu? Annis Familie war eine festungsartig in ihr katholisches Umfeld eingefügtes Gebilde. Sie unterlag der sozialen Kontrolle der Umgebung: z.B.: War der Arzt in der Kirche? (S.27)Der Bub der Großeltern (Annis Vater) sollte eigentlich milieugerecht Pfarrer werden.

Doch er wich vor dem Pfarraltar in den Ärztekittel aus. Mit bleibendem schlechten Gewissen. Darauf wird er beim jüngsten Gericht eine Antwort geben müssen. Deshalb ist das ganze Arztleben nur dann ein Äquivalent für das zur Seite geschobene Priesterleben, wenn es mindestens so streng und entbehrungsreich ist wie dieses. (S.28)Die Mutter kam aus einer bürgerlichen Kaufmannsfamilie.

Größtes Problem: neben einem Sohn drei Töchter verheiraten. Woher die Männer nehmen? Da kam der junge Arzt aus guter ländlicher Familie gerade recht. So wurden die beiden Familien zusammengebracht und handelsein. (S.29)Und da es ja nun mal sein musste, kam es schließlich auch zur Zeugung von Kindern. Das wars dann auch.

Also belud sich Frau Maria mit Idealen der Nächstenliebe und versuchte zu vergessen, dass sie eigentlich an einen strengen Mann geraten war.   Nun muß man aus therapeutischer Perspektive eine derartige Schilderung auf das Wirkende reduzieren. Dabei käme die schon erwähnte zwanghafte Struktur des Ehemannes, die depressive Gestimmtheit der Ehefrau, (S.30)die starke Normative Bestimmtheit der Interaktionen und der daraus resultierende Normendruck, den die Familie auszuhalten hatte, zum Vorschein. Doch die Familie und Frau Anna, haben es jahrelang abgelehnt eine Therapie zu beginnen. Der Wiederstand war ihnen gemeinsam, denn die Therapie hätte zur Aufdeckung der krankhaften Strukturen geführt.

Die im kirchlichen Milieu beheimateten Heilsangebote waren nicht hilfreich, weil sie aus der Rezeptur bestanden, die genau das Vorschrieb was der Familie geschadet hatte: Sühneopfer, moralische Strenge. (S.31)Deshalb wirkte der kirchliche Rahmen zu bereits vorhandenen Problematik als Verstärkung.   Welche Therapeutischen Möglichkeiten gibt es? Eine Therapie benötig zu allererst eine tragfähige Verbindung mit dem Therapeuten. Danach muß Frau Anna geholfen werden, in zumutbar kleinen Schritten das ganze Ausmaß ihrer familiären Verstrickung zu erkennen. (S.

32)Eine Gefühlsschicht von Zorn (auf viele Personen in Annis Umfeld) wird zugänglich werden. Weiters werden Schmerz und Tränen der Prügelszene, die nicht ausgedrückt werden durften und die Anna eine Blockade ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eingetragen haben, zutage treten. Auch Gefühle des Verrats , die sie durch das verhalten ihrer Eltern erlebt hatt. (S.33)Der behutsame Abbau der unterdrückenden, krankmachenden Normen führt immer wieder zu kritischen Situationen vorrübergehender Chaotik: Was wird Annas Umgebung sagen, wenn sie plötzlich der Kirche nicht mehr zur Verfügung steht und Männerbekanntschaften sucht? Wird sie verstanden werden? (S.34)Deswegen wird eine Therapie mit Anna vermutlich schwierig werden.

Aber diese Fragen sind vermutlich der Preis, der zu bezahlen sein wird, um zur eigenen Ganzheit, Geheiltheit und Gesundheit zu gelangen.   Was sagt der Glaube dazu? Es sind theoretische Grundfragen, die durch den „Fall Anna“ ausgelöst werden. Eine wäre: (S.35)Wäre es nicht die einfachste Lösung für Anna und alle an der Kirche leidenden die, ihr ganz einfach den Rücken zu kehren? „Verlasse was dich krank macht!“(Agnostiker und Atheisten). Ehe wir vorschnell antworten, müssen wir nach der Gestalt des Glaubens in Annas Elternhaus fragen. Sie gleicht einer dämonischen Nachäffung des wirklichen Glaubens.

(S.36)Das der Vater Zeit Zeit seines Lebens aus der Ablehnung der erotischen Liebe nicht herausfand und bei der Höllenangst enden muss, wirkt wie ein Gericht über diese Art des Glaubens.(S.37)Es ist auch gemäß der jesuanischen Offenbarung nicht Gottes Wille,was an Leid und Verletzung in Annas Familie wechselseitig allen Mitgliedern widerfährt. Der Glaube widerspricht damit dem „katholischen Familienglauben von Annas Familie“. Dies wir bei Anna deutlich.

Wer nicht fühlen kann („unten zu“), was sein eigener Körper fühlt, ist außerstande zu lieben. Wenn einer nicht lieben kann, wie soll so jemand beten? Oder gar Gott lieben? Wer also „unten zu“ ist kann nach oben hin nicht offen sein. Denn die Realität ist immer eine vermischte. Immer beeinflusst der Himmel („oben“) die Erde („unten“). (S.38)Der gesamte psychotherapeutische Prozeß „Anna“ kann auch von oben betrachtet werden.

Genau die Phänomene die „von unten“ unsichtbar waren, werden in einer Beleuchtung „von oben“ sichtbar. (S.39)Wenn wir versuchen Anna und ihren Satz „unten bin ich ganz zu“ im Licht des Glaubens zu erblicken, löst dieser Satz Erschrecken aus. Üblicherweise löst die Begegnung mit einen derartigen Phänomen einen Hilfsimpuls aus. Dieser Rasche Impuls hilft vor allem uns selbst. (S.

40)Wir halten das Bild nicht aus. Wir leiden unter Annas Situation.Wenn wir diese Erschütterung zulassen , erscheint zuerst eine ungeheure, niederdrückende Verflochtenheit in Annas Familie. Alles versuchen ihr Bestes und erreichen nur eine größere Verstrickung ins negative. Das fängt schon bei den Großeltern an. Im Licht des Glaubens wird noch eine zusätzliche Perspektive sichtbar.

Annas Vater nimmt ein Stück des missverstandenen Zölibates mit. (S.41) Er nennt Sexualität „böse“, obwohl sie Gott „gut“ genannt hat. Dadurch entsteht eine sexualmoralische Wendung zum schlechteren. Das ist das Wesen einer Sünde. Die Sünde hat Anna Vater durch die Prügelei in den Fängen.

Sie war die Eintrittshandlung. (S.43)Nun zurück zu Anna. Unter der Gegenwart von Jesus Christus (in den spirituellen Schätzen der Kirche) könnte das Gericht über die Familie als ein Zurechtrichten oder in Ordnung bringen erfahren werden. Die Folge der Zurechtrückung ist eine spürbar tiefe Ruhe. So als ob jemand- vielleicht Anna- zu Gott gefunden hätte.

Doch dieser Vorgang kann durch Einwände, Diskutiererei und durch glatte Ablehnung zunichte gemacht werden. (S.44)Es kommt darauf an, dieser Ebene zu begegnen und sich dem göttlichen Geschehen auf dieser Ebene zu überlassen. Die Erschütterung über das Zutagetreten von Schuldigkeit und Unterdrückungsmacht in Annas Familie führt zu einer Zuflucht zu Gott. Alles was Anna auf diesem Wege braucht ist eine Mystagogie- Weigweisung- durch jemanden, der weiß, wovon er spricht. Wenn Anna dort angekommen ist, ist die Hauptsache getan.

Es ist dann nicht mehr so, dass Annas Identität von „unten“ bestimmt wäre. Sie findet zu sich, indem sie Gott gefunden hat.   2. Beispiel: „Ich habe sie so sehr geliebt, aber jetzt will ich nicht mehr!“ Maria und Josef leiden unter der katholischen Sexualmoral (S.45)Josef „Seppi“ war ein zierlicher Bauernbub. Sein Vater war ein „Nerverl“.

Irgendeine Erbgeschichte „hat der nicht gepackt“, hieß es. Der Gemeindearzt gab dem Vater Antidepressiva. Doch die Depressivität blieb und lastete über der Familie. Als es mit dem Vater nicht besser wurde, transferierten sie ihn ins Krankenhaus. (S.46)Seppi war in der Schule und im Knabenseminar wohlgelitten, und so kam er in ein Knabenseminar.

Als er dort aufhörte bekam, hatte er im Dorf die Stellung eines Außenseiters (wie einst der Vater). Und so zog es ihn fort aus der familiären Enge- hinaus in ein hoffentlich ganz anderes Leben. Schließlich hörte er etwas von Entwicklungshilfe und ergriff den Beruf. Er machte auch die Bekanntschaft mit seiner Maria „von der Bachmühle“. Sie war erst 16 Jahre alt. Ihre Eltern waren skeptisch.

„Maria ist noch viel zu jung!“, (S.47) „Sie ist mein ein und alles!“, sagte der Vater. Doch sie liebten sich über die Maßen. Und so kamen sie sich näher und näher, und plötzlich musste Maria „Nein“ sagen. „Seppi, es ist nicht erlaubt, vor der Ehe intim zu werden“. Es war wie ein Bruch zwischen ihnen.

War das wirklich schon eine Sünde gewesen? In dieser Situation fiel Maria die Möglichkeit der Seelsorge ein. Sie kannte einige Pfarrer. Und da mussten beide hören, dass Beherrschung das wichtigste Fundament einer späteren Ehe sei, dass eine Frau die sich an ihren Bräutigam wegwirft, letztlich auf die Ebene einer Hure komme. (S.48)So wurde Maria im Lauf der Jahre zu einer schwierigen jungen Frau: Hübsch und um erotische Zuneigung bettelnd, aber auf der anderen Seite eine fromme, exakt- moralische Kirchenjungfrau. Das ging einige Jahre so.

Unterdessen rückte die Hochzeit näher. Schließlich fand Seppi einen Kaplan, dem sie das Problem nochmals anvertrauten. Dieser sagte: „Liebt einander und macht etwas aus eurer Beziehung!“. Das war ein jäher, sehr jäher Umschwung. (S.49)Schließlich kam die Hochzeit.

Da ging Marias Vater ohne Vorwarnung in den Wald und erhängte sich. Punkt. Maria bekam ein Kind und erwartete noch eines. Die Ehe wurde immer schlechter. „Jetzt will ich nicht mehr“, sagte Seppi. Auch Maria war zerstört.

Sie wollte eigentlich ihren Seppi auch nicht mehr recht zum Mann haben. Maria kannte sich nicht aus, und deckte sich mit Arbeit zu. Seppi war ein guter Vater, mehr nicht. Und so kehrte Bitterkeit ein.   Was sagt die Therapie dazu? (S.50)Zuallererst müssen wir die Frage stellen: Durfte Josef, von der Gestalt seines Lebenslaufes her überhaupt zu Maria, der wunderschönen Müllertochter? (S.

51)Da ist zum einen die Enterbungsgeschichte und die darauffolgende Depressivität des Vaters. Zum anderen sind da noch 2 taubstumme Kinder seiner Schwester zu beachten. (S.52) Aus dieser Unglücksfamilie kommt Seppi. Folgen wir der Familiendynamik, dann wäre er ein verständnisvoller Priester (Knabenseminar) geworden, und seiner einsamen Mutter zum Trost geblieben. „Mamas Liebling“ wäre sein Schicksal gewesen.

Ganz ähnlich bei Maria von der „Bachmühle“. Die elterliche Hoffnung, Maria werde „einen ansehnlichen Mann finden, der aus der Mühle etwas machen könne“, zeigt, dass die Eltern nicht mehr weiter wissen und auf ihre Tochter hoffen. Sie soll der Trost ihres Alters sein („Mein ein und alles“). (S.53)Für Maria muss es ein ganz großes Erlebnis gewesen sein, von einen Burschen derart verehrt zu werden. Die Evidenz des Glückes hat sie mit ihm zusammen erfasst.

Unversehens wird eine tiefe Bindung aus den scheuen Zärtlichkeiten. Seppi hingegen fühlt sich erstmals al der Mann namens Josef. Das ein so schönes Geschöpf wie Maria, sich von ihm an der Hand führen ließ, war ein Glücksgeschenk. (S.55) „Mamas Liebling“ traf also das „ein und alles“ eines Vaters. Und die Gestalt dieser Zuneigung zeigte sich in ihrer Unkompliziertheit und erotischen Selbstverständlichkeit.

An dieser Stelle schlug das Realitätsprinzip zu. Alle Fragen, die Erwachsene und die Gesellschaft jugendlichen Verliebten stellen, traten in Gestalt der Seelsorger auf. In Josef entstand ein Riß. Immer wenn er zu Maria zärtlich war fragte er sich:“Wer hat nun recht? Pfarrer XY und seine Sexualmoral, oder ich und meine Erfahrung der guten und unschuldig-heiligen Liebe?“ (S.56)Wie sollten die zwei Verschiedenen Welten- klerikale Sexualpädagogik und eigene Erfahrung- jemals zusammengehen? Diese offene Frage versuchte der zuletzt befragte Pfarrer positiv zu beantworten. Aber es war schon zu spät.

Groll sammelte sich bei Josef an. Groll auf seine Freundin Maria, die immer mit Berufung auf die Kirche „Nein“ sagte. Und auch Groll von Maria auf Josef, der sich diesem „Nein“ auch wirklich fügte. (S.57)Für eine Diagnose wird zu beachten sein, dass vermutlich unter der vordergründigen sexualpädagogischen Problematik auch eine der beiden Herkunftsfamilien steht. Darüber kann nur die therapeutische Arbeit Klarheit bringen.

    Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.58)Besonders gefährdet den Begriff „Liebe“ als solches zu verfehlen sind religiös-spirituelle Beurteilungen menschlicher Beziehungen. Die Pfarrer in diesem Beispiel zeigen dies deutlich. Ihre Ratschläge verfehlten allesamt den springenden Punkt des Geschehens. Dieser ist: Wie können Josef und Maria das Geschenk ihrer Liebe erhalten und weiterentwickeln? In diesem Zusammenhang ist es wichtig, das „Jetzt“ als Notwendigkeit des Vollzuges der Liebe nicht zu übersehen. (S.

59)Die Therapie müsste Josef und Maria an die Frage heranführen: „Wer ist wem etwas schuldig geblieben?“ Das schwierige wird vermutlich sein, unter der Schicht der kultivierten Sexualität das wilde Toben der Triebdynamik wahrzunehmen. Etwa Marias verdrängter Wunsch nach einem Mann der sie „einfach nimmt und zur Frau macht“, (S.60)deren Nichterfüllung eine beginnende Abneigung gegenüber Josef erwirkte. Josef hingegen geht schwungvoll auf Maria zu, und wird plötzlich gestoppt. So bildete sich ein großer See voll Groll im Herzen Josefs. Vor allem gegenüber Gott.

Ist nicht schließlich alles verboten was Freude macht (Sex)? (S.61)So kam es, dass er einfach nicht mehr wollte, und sich kurzerhand seiner Ehe und auch zuletzt Gott verweigerte. Das Problem: Verweigerung kann eine Vorstufe der Depression sein. Wird Josef so wie sein Vater in der Anstalt enden? An dieser Stelle wird sich zeigen, ob dem Paar ein zweiter Start seiner Beziehung möglich sein wird oder nicht.   Was sagt der Glaube dazu? (S.62)Hier sticht besonders das Ereignis einer wirklichen Liebe hervor.

Es hat alle Eigenschaften eines Geschenkes: Es war unvorhersehbar, brachte Klarheit und Helligkeit in das Leben von Josef und Glück und Hingabe in das Leben Marias. Theologisch gesehen wäre so ein Ereignis von sich aus etwas Heiliges. (S.63) „Die Erotik als Liebe ist etwas Göttlich- Heiliges, weil sie Abbild der göttlichen Erotik ist, die alles geschaffen hat“ (Gen2,2). (S.64)Den Pfarrern aber fehlte die Grundzustimmung zur Tatsache, dass es den Kosmos gibt, dass Gott ihn hervorgebracht hat, dass die Erotik zu allererst eine göttliche ist und etwas heiliges an sich hat.

Ob Josefs und Marias Liebe eine ewige ist, kann niemand wissen. Sie wir aber auf jeden fall „ewig“ erlebt. Und wir sehen gerade am Beispiel dieses Paares die Möglichkeit, sie zu verspielen und zu zerstören.   3. Beispiel:„Dann nimmt er mich! Nein! Nein! Ruft er im selben Augenblick.“ Brunhilde zwischen Sex und Religion- Über die zölibatsverfangene Rolle einer ambivalenten Dramateuse (S.

65)Eine stattliche Frau, Brunhilde, studiert Theologie. (S.66)Sie liebt einen Priester, und das schon 12 Jahre lang. Sie sagt: „Wissen sie, er ist mit Leib und Seele Seelsorger. Niemals könnte er sein Amt aufgeben! Niemals! Und das will ich auch gar nicht.“ Zwölf Jahre kennen sie einander,und zwölf Jahre versuchen sie voneinander loszukommen.

..“Aber dann kommt er wieder, reißt mich an sich und nimmt mich ganz einfach, obwohl er Nein! Nein! Schreit! Was kann man da schon machen?“ (S.67)Brunhilde steht am Ende der Lebensjahre, in denen eine Schwangerschaft möglich ist. Ihre besten Jahre hat sie dem Monsignore gewidmet. Was soll jetzt werden? Ja, was soll jetzt aus Brunhilde werden.

Der Monsignore sagt resignierend: „Ich weiß, dass ich aufhören sollte mit Brunhilde. Ich weiß, dass eine Entscheidung fällig ist. Aber Ich rotiere sozusagen auf der Stelle.“ Auch seine Jahre verstreichen.   Was sagt die Therapie dazu? (S.68)Im Vordergrund stehen zwei gegenläufige Gefühlsstränge, die das Paar Brunhilde/Monsignore stark aneinander binden und gleichzeitig ebensostark voneinander abstoßen.

Die Gegenläufigkeit wird als „Ambivalenz“ bezeichnet. „Ambivalenz“ bedeutet immer, sich im Augenblick nicht entschieden zu haben, obwohl die Situation nach einer Entscheidung ruft. Ambivalenz kennzeichnet immer eine Durchgangssituation, meistens eine Blockade.(S.69)Deshalb gehört jede Form von Ambivalenz in eine Entscheidung übergeleitet und gelöst.  Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? Beide, Monsignore und Brunhilde, sind von Ambivalenz betroffen.

Dort blieben sie als Menschen wie auch in ihrer Beziehung stecken. Die Schwierigkeit ist die Kampfsituation, in der diese beiden Strebungen sich gegeneinander richten. Brunhilde will voller erotischer Wucht und fraulicher Kraft mit dem Monsignore ein Paar werden. (S.70)Andererseits, als Gegenstrebung, soll er von ihr Abstand halten, „seine Finger von ihrem Frauenkörper lassen“, wie sie es ausdrückt. Wenn es gelänge, beide Strebungen als je eigene, gleichgerichtet (und einigermaßen friedlich) gelten zu lassen, wäre viel geschafft.

(S.71) „Was willst du wirklich tun?“ ist die Entscheidende Frage. Weiter zuwarten? Es ist im Sinne der Verantwortlichkeit und Eindeutigkeit besser, eine Entscheidung zu treffen und den Preis dafür auf sich zu nehmen. So ungefähr wäre die Richtung, in die die Entscheidungsarbeit Brunhildes beginnen könnte. Auch der Monsignore muß sich entscheiden. Entweder er setzt seinerseits das kirchlich unerlaubte Verhältnis fort (mit schlechtem Gewissen), oder er riskiert wirklich den Abschied von Brunhilde.

Das ist ein schmerzvolles Stück therapeutischer Arbeit. (S.72)Auch die Möglichkeit Brunhilde zu heiraten und aus Klerus auszusteigen besteht. Was immer Monsignore tun wird, er wird damit auf persönlicher Ebene ein grundlegendes Kirchenproblem austragen. (S.73) Denn so wie im Leben des Monsignore sieht es in der Kirche aus: Ein ambivalent nicht entschiedenes Problem stiftet immer neue Schwierigkeiten.

Der Zölibat. Seine Ursache: Ein Stück Sexualmoral.   Was sagt der Glaube dazu? Die Eindeutigkeit des „Ja“ oder „Nein“ in einer bisher durch Ambivalenz unentschiedenen Frage ist immer ein wichtiges spirituelles Thema. (S.74)Das JA- oder auch NEIN-sagen-Können ist auch eine Aufforderung, sich um ein reines, ungeteiltes Herzen zu bemühen. Wenn wir auf die zu überwindende Ambivalenz achten, dann wird ein Reifungsweg für Brunhilde und den Monsignore sichtbar.

Die Wegstrecke wird eine wesentliche ihrer Lebensgestalt überhaupt sein, und sie kann verfehlt werden, wenn sie nicht in die Frage nach dem Willen und Weg Gottes in dieser Konfliktsituation führt. Das betrifft vor allem die Frage, was der Monsignore tun soll.         D.Parolen, Maximen und Szenen prägen das „katholische Milieu“   4. Beispiel:“Wenn Mädchen pfeifen, weint die Mutter Gottes“ (S.75)Eine alte Mutter erinnert sich.

An diesem Tag schien die Sonne. Alle waren guter Stimmung gewesen und sie selbst als kleines Mädchen frech und lebenslustig durch Haus gestürmt. Dabei pfiff sie. Das war der Oma zuviel:“Hör sofort auf!“, drohte sie. „wenn die Mädchen pfeifen, weint die Mutter Gottes!“ Die Mutter protestierte. „Laß die Oma reden! Sie redet manchmal Blödsinn!”.

Der „Blödsinn“ der Omama ist Teil des gesammelten Blödsinns der jahrhundertelang in unserem Kulturkreis herrschenden Angstpädagogik . Die Angst sollte die Menschen in die erwünschte Richtung zwingen. Beispiele für Angstparolen: „Wenn es donnert, schimpft der Himmelvater“ (=du wirst ständig beobachtet, mein Kind), oder(S.76) „Ein Auge ist, was alles sieht, auch was in dunkler Nacht geschieht“ (=Gott lässt sich nicht betrügen). (S.79)Die Angstpädagogik erzeugt ein für Kleinigkeiten beachtlich schlechtes Gewissen.

Die Summe derartiger Angstparolen führt zu einer Stimmung schuldbewusster Niedergeschlagenheit. Kinder werden gestörte, gespaltene Wesen und geben die Störung als Erwachsene an die nächste Generation weiter. Leider ist nicht immer eine kluge und liebevolle Mutter in der Nähe solcher Parolen. Ihr Satz: „Das ist ja Blödsinn!“ wirkte befreiend und milderte die Situation beträchtlich.   Was sagt die Therapie dazu? (S.81)Die durch Katechese und Predigt auf die Reise durch das katholische Milieu geschickten Sätze aus Beichtspiegeln, setzten sich in Denkstrukturen fest.

Sie scheinen Auskunft über die Haltungen der Kirche zu Fragen der Sexualethik zu geben. Sie bewirken Einschüchterung und auch Ablehnung. Alle Beispiele aufeinander bezogen, zeigen den unverschämt frechen Druck, der unter der Einbeziehung des Himmels zu erzielen versucht wird. (S.82)Die Beispiele zeigen auch die konsequenten Folgewirkungen bedenklicher Parolen, die erhaben und wahr klingen, aber dennoch falsch sind. Schließlich wir auch der Grundwiderspruch deutlich, der auf diese Weise entsteht.

Mit sich und der Umwelt, mit der Tiefe des Lebens in Widerspruch zu stehen, ist keine Kleinigkeit.   Was sagt der Glaube dazu? Der Heilungsvorgang kirchlich-spiritueller Art setzt immer Ehrfurcht vor dem göttlichen Bereich voraus, dem er entspringt. Verweigerung der respektvollen Anerkennung „schlachtet“ tatsächlich jedes Phänomen, dem man begegnet. Die oben angeführten Parolen tun das teilweise in erheblichem Ausmaß. Deshalb beginnt die Heilung einer destruktiven Atmosphäre in der Familie damit, dass man die Erde wirklich Erde sein lässt und dem Himmel mit Achtung begegnet, ohne ihn zu benutzen. (S.

83)Die so bezeichnete „Freiheitsformel“ („Das ist ja Blödsinn“!) ist die sehr irdisch klingende Fassung unzähliger Befreiungsformeln, die der kirchlich-spirituelle Weg bereithält.   E.Von kirchenirritierten Lebensläufen   5. Beispiel:“Der Seitensprung muß ins Kloster!“Johannes- Benedikt muß für die Mutter büßen (S.85)Eine Tochter in Westösterreich bekam ein uneheliches Kind. Deshalb befand die Großmutter:“Der Seitensprung muß ins Kloster!“ Und nach Schulerfolg und Matura war auch war der Seitensprung namens Johannes auch programmgemäß Frater Benedikt geworden.

Da er nie eine richtige Heimat gehabt hatte, erwählte er das Stift, in dem er lebte, als seine. Er wurde zum Diakon geweiht. (S.86)Als seine Priesterweihe bevorstand, wurde er zu einer Feier in den Klosterkeller eingeladen. Johannes schildert später diesen Abend als Schockerlebnis: Patres, Küchenmädchen, Chormitglieder,..

.alle in eine Faschingsorgie verstrickt. Rasch packte er und verließ die Abtei. Er verbrachte kurze Zeit in Wien bei seiner Mutter, ehe er in die USA auswanderte. Er ging pleite und flüchtete nach Kuba. Leider wurde er rauschgiftsüchtig.

Er wurde verhaftet, kehrte nach Wien zurück. Er begann zu spielen. Als er seine Spielschulden nicht begleichen konnte, erschoß er sich ohne Vorwarnung.   Was sagt die Therapie dazu? (S.87)Für unsere Fragestellung ist es wichtig, den Punkt zu sehen, der den Verlauf des Lebensprozesses irritiert. In unserem Beispiel ist das eine Lebensbestimmung, die die Großmutter gleich nach der Geburt in Form eines Wahrspruches über ihr Enkelkind ausspricht.

Sie verfügt eine Klosterlaufbahn für das Kind. Ein absoluter Berufsweg mit Opfercharakter. Das macht das Gewicht der Irritation aus.   Welche Therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.88)Für eine Therapie ist es zu spät. Johannes ist tot.

Aber welche Möglichkeiten hätte es gegeben? Der Schock der Kellerorgie wäre zuerst im Vordergrund gestanden. Vermutlich hätte sich in diesem Schock auch der Zusammenbruch eines nicht realen Bildes über das Kloster und die Mönche gezeigt. Dieser Zusammenbruch hätte zur Frage nach der „Heimat“ geführt. So wäre der therapeutische Prozeß schließlich zur unehelichen Geburt und zum Wahrspruch der Großmutter gekommen. „Wie kann Johannes seine Mutter und seine Großmutter lieben, wenn gleichzeitig beide, unter diesem Wahrspruch stehend, seinem Lebenslauf einen Drall ins gegeben hat. (S.

89)Es wird vor allem darum gehen, Johannes ausdrücklich und bewusst die Chance zu geben, zu diesem Bannspruch Stellung zu nehmen.   Was sagt der Glaube dazu? (S.91)Weit über die therapeutischen Möglichkeiten hinaus, gibt es innerhalb der Kirche eine göttliche Zusage der Gesamtheilung des Kosmos und jedes einzelnen Menschen darin. Dieser Vorgang kann erst in den Blick kommen, wenn der begrenzte Horizont der wissenschaftlichen Betrachtungsweise überstiegen wird. Die Übersteigung geschieht sehr oft dadurch, dass jemand des (Glaubens)Horizontes „inne wird“. Es ist dies der Vorgang einer Erleuchtung oder Inspiration (=göttliche Anhauchung) der im Herzen und in der Seele wirksam wird.

(S.92)Der enthüllte göttliche Horizont stellt auch im Gedächtnis und Bewusstsein den Lebenslauf des „Seitensprunges“ in ein ganz neues Licht. Diese Beleuchtung wirkt sehr gütig, wärmend und menschlich. (S.93) Die dermaßen vom Licht Gottes gefärbte Beziehung der Hinterbliebenen zu Johannes unterscheidet sich grundlegend von einer bloß „Gedächtnismäßigen“ gesellschaftlicher Art.   6.

Beispiel:“So eine Schande, so eine Schande!“ Otto und die katholische Sexualmoral (S.94) „So eine Schande, so eine Schande!“ riefen die Leute, als Otto der Knecht seine Bäuerin heiraten musste. Sie bekamen nämlich ein Kind. Eigentlich wollte er ja Priester werden. (S.95)So ging er in die Benediktinerabtei Volters.

Aber im 1. Weltkrieg musste er an die Front. Danach wurde er Knecht. Seine Bäuerin, selbst Witwe, erkor ihn zu ihrem Geliebten. Als dann das erste Kind geboren war, war es tot. Wir bekamen wiederum ein Kind.

Seine Frau gab ihm die Schuld an der Schwangerschaft. Daraufhin ging Otto zum Ortskaplan, denn „aufpassen“ war verboten. Der sagte:“Otto, du musst schauen, dass nur ein bis zwei Samentröpfchen hineinkommen! Dann ist es keine Sünde.“ Otto grauste derartig, dass er nie wieder mit einem Priester über ein sexuelles Thema gesprochen hat. So bekamen sie noch zwei Kinder, und dann war die Ehe total am Ende. Später ließen sie sich scheiden, und die Kirche schloß Otto vom Sakramenteempfang aus.

Nun ist Otto,alt und wieder verheiratet, will wieder katholisch werden. Was sagt ihm da der örtliche Pfarrer:“ Sie werden in ihrem Alter ja nicht mehr mit ihrer Frau schlafen. Da können sie ohne weiteres bei aufrechter Zweitehe wiederum katholisch werden.   Was sagt die Therapie dazu? (S.96)Die psychischen Leiden dieses alten Mannes kommen von den vielen Gewissenbissen die ihn quälen: Hätte ich nicht doch bei meiner ersten Frau bleiben sollen? Seine zweite Frau rettete ihm eigentlich das Leben. Sie half ihm aus seinem psychischen Tief heraus.

Doch sie wurde eine bittere Frau. Enttäuscht, dass er sich nicht wirklich von seiner ersten Ehe lösen konnte, angewidert von der wortwörtlichen Befolgung der katholischen Sexualmoral. (S.97)Als Josef Knecht war, war er eigentlich mit einer Dienstmagd liiert gewesen. Doch die Bäuerin wollte die junge Dirne ausstechen. (S.

98)Otto ließ auch sofort von der Magd als die Bäuerin heranwinkte. Eine verratene Erstbeziehung liegt unter der Beziehung seiner Bäuerin. Dies war also die erste gewichtige Irritation des Lebenslaufes. Sie bestand im Verrat an der Liebe zu seiner Magd und der „Zwangsheirat“ mit der Bäuerin. Denn wer schwanger ist, muß geheiratet werden. (S.

99)Klug wäre gewesen, diese Beziehung mit der Bäuerin rasch wieder abzubrechen oder zumindest keine Kinder mehr zu bekommen. Aber das war schwierig. Beide hatten viel Arbeit zu leisten. Aber was gab es sonst? Erotische Liebe! (S.100)Es ist notwendig an dieser Stelle, den Hintergrund des Geschehens deutlich zu machen. Allzu schnell könnte man zu einem Urteil gelangen, das das strukturelle Muster außer acht lässt, das diesen Hintergrund bestimmt.

Und dieses Muster wird sehr stark von der katholischen Sexualmoral bestimmt. (S.102)Zusammengefasste Aussage der Sexualmoral ist: Außerhalb der Ehe ist alles erotische Denken, Fühlen und Tun als mehr oder weniger sündhaft anzusehen. Es geht aber nicht darum die Verantwortlichen der Kirche zu verurteilen, sondern anhand konkreter (S.103)Beobachtungen den Faktor „katholische Sexualmoral“ als Verstärker und Verursacher psychischer Leidenszustände deutlich zu machen. Die Perspektive ist deswegen abzuhandeln gewesen, weil jede therapeutische Arbeit mit Otto nur dann möglich ist, wenn diese Kirchenmoral samt allen ihren verästelten Folgen in der Wurzel zum Thema gemacht werden kann.

  Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.104)Otto selber war ein uneheliches Kind gewesen und von seiner Mutter in Pflege gegeben worden. Otto hatte sicher kaum Annerkennung und schon gar keine Liebe erfahren. (S.105) Daher war Otto in tiefster Seele eigentlich auf der Suche nach jener Liebe und jener Anerkennung. Er schleppte zeit seines Lebens das Stigma des „Pflegekindes“ mit sich.

Die Sexualmoral verstärkte dieses Stigma noch, indem sie ihn zwang, bei seiner unglückseligen Ehe mit der Bäuerin auszuhalten. (S.106)Otto hätte aber auch an der Gestalt seines Glaubens arbeiten müssen, weil er ihm Folge leistete. Er hätte vielleicht, durch alle Verengungen seiner traumatisierten Biographie hindurch zu seiner Sehnsucht nach Liebe verstoßen müssen. (S.107)Vielleicht hätte Otto in einem Befreiungsschlag seine ganze kirchliche Bindung vorerst über Bord geworfen, vielleicht auch nur schrittweise.

Aber auf jeden Fall hätte er ihm ermöglicht, seine Verantwortung gegenüber der Magd, der Bäuerin und den Kindern realistischer einzuschätzen.   Was sagt der Glaube dazu? (S.108)Wieso, muß man fragen, hält eine so große spirituelle Organisation wie die die Kirche an einer so fundamentalistisch-theologischen Sexualmoral fest. Menschen, die die Kirchenmoral auf diese Weise hinterfragen, haben meistens eine intuitive, innere Kenntnis einer besseren, jesuanischeren Moral. (S.109)Denn die Sexualmoral ist Produkt einer mehrmals in der Geschichte vorkommenden fundamentalistischen Rückwendung zu fundamentalistischen Ansichten, die bereits durch Jesus überwunden waren.

(S.110)Der Begriff „Onanie“ ist ein emotional- sexuelles Schlüsselwort für die Sexualmoral. Der Kampf gegen die Onanie ist ein typisches katholisches Stimmungsbild. Den Onanie ist Samenabtötung und daher Massenmord. (die Eizelle bleibt weiterhin unbeachtet, obwohl längst entdeckt). (S.

111)Deshalb ist in unserem Zusammenhang der für Otto so schreckliche Satz von den „paar Samentröpfchen“ besonders wirksam gewesen. (S.113)Kehren wir zur Frage des Abschnittes therapeutische Möglichkeiten zurück. Dort war von einem Befreiungsschlag die Rede gewesen. Nehmen wir an, dass diesmal ein sehr kundiger Kaplan Ottos Lage aufgegriffen und ihn hinein in die kirchlich-spirituellen Möglichkeiten geleitet hätte. Womit hätte er ansetzten können? Er hätte bei der Befreiung von der Last einer vergangenen Sexualmoral beginnen können, die auf Otto depressiv wirkte.

(S.114) „Das soll nicht so sein! “ hätte der Mystagoge sagen müssen. Und dann wäre alles sehr einfach geworden. Otto hätte der Einladung Jesu folgen können:“Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten. Ich werde euch aufatmen lassen.“ Otto hätte entdecken können, dass alles, was einen zu schwerer Belastung und Überbürdung führt, niemals mit dem Weg Gottes etwas zu tun haben kann.

(S.115)In dieser Weise wäre vielleicht auch seine Sexualität sichtbar geworden- jene wunderbare Gabe an Ottos Ich von Gottes Du. Otto hätte begriffen, dass die Sexualität immer ein Geschenk an Ich und Du ist. Sie gehört nie jemanden allein. Diese prozeßhafte Bewegung von Ottos Sexualität vom Ich zum Du hätte ihn spüren lassen, dass er jemand ist, der geliebt wird. (S.

116)Und er hätte „Aufatmen für sein Leben“ gefunden.   7. Beispiel:“Ich beschwöre dich, liebes Kind: Heirate nicht mit dem Versprechen der Ewigkeit, sage nicht „bis der Tod uns scheidet“!“ (S.118)Am Stadtrand von Salzburg hatte eine Frau, ihre ganz große Liebe gefunden. Doch ihre Eltern sagten:“Er trinkt! Siehst du das nicht? Wir wollen nicht, dass du unglücklich wirst!“. Und so heiratete sie einen anderen Mann.

Der war solide, anständig, trank nicht und lieferte das Monatsgehalt pünktlich zuhause ab. Doch ein wenig wirkte er wie ein Tollpatsch neben ihr. (S.119) Aus ihrer Ehe zweiter Wahl ging der jüngste Sohn Helmut hervor. Er fand sich eine zarte Juwelierstochter, Margit. Man beschloß zu heiraten und tat dies kirchlich.

„Bis das der Tod uns scheidet!“. Das Eheversprechen blieb stehts in Margits Ohr. Sie bekam zwei Kinder mit Helmut. Alles paletti! Ein Vorbild für die Pfarre war diese Familie! Plötzlich, nach etwa 17 Jahre wurde Margit nach einer Krankheit schwer depressiv und ging schließlich in Frühpension.(S.120)Unter dem Druck von „Bis das der Tod euch scheidet“ versuchte sie sich zu ändern.

Die Depression wurde aufgelöst. Doch Zärtlichkeit und Zuneigung bekam Margit nie. „Da lief einfach nichts“. So wurden die Abende einsam für Margit. Plötzlich hatte ein bekanntes Ehepaar eine Reise nach Südamerika gebucht. Die Ehefrau konnte nicht mitfahren.

Margit sprang ein. Sie begann eine Affäre mit Günther, dem besten Freund ihres Mannes. „Jetzt weiß ich auch was Glück heißt“. (S.121)Margit fuhr zur Schwiegermutter und erzählte alles. Die sagte: „Ich habe drei Herzinfarkte wegen genau derselben Situation hinnehmen müssen.

Willst du dich nicht von ihm scheiden lassen?“ Die Schwiegermutter hatte das ausgesprochen, was Margit auch nur im Stillen zu Denken fürchtete.   Was sagt die Therapie dazu? „Bis das der Tod euch scheidet“. Ein beeindruckendes Gewicht hatten diese Worte. Quasi:für immer und ewig. (S.122)Doch wo war eigentlich das Glück einer kirchlichen Ehe hingekommen? Um diese Frage stellen zu könne, muß man sehen, dass sowohl die Schwiegermutter als auch die Schwiegertochter, einen wirklich geliebten Menschen zugunsten der Unauflöslichkeit der Ehe verlassen hatte.

(S.123)Das wirkliche Glück der beiden Frauen liegt außerhalb der Ehe. Ihre Ehemänner sind „zweite Wahl“. Diese Situation bedeutet eine Störung des Gesamtsystems. Die Schwiegermutter bezahlte dies mit drei Herzinfarkten, die Schwiegertochter mit der Depression. Die Klammer, die dieses spannungsgeladene Familiensystem zusammenhielt, war der Zwang zur Unauflöslichkeit der Ehe.

(S.125)Das Versprechen „bis der Tod uns scheidet“ könnte in dieser Sicht zu einem Fluch werden. Etwa so, dass erst der Tod eines Lebenspartners, Freiheit schaffen würde. Nachdem schon beide Frauen krank geworden sind, droht dasselbe Schicksal den Männern. Alle Familienmitglieder sind gefährdet. Eine gefährliche Entwicklung.

  Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? Wenn wir mit Margit beginnen, so stellt sich die Frage, was mit der Affäre mit Günther geschehen soll. (S.126)Um nicht in die Depression zu fallen, bleibt nichts anderes über, als Helmut darüber zu unterrichten. Sie muß mit ihm ein aufrichtiges Gespräch über ihre Trennung führen. In diesem Augenblick würde sich die Gesamtproblematik auf Helmuts Vater und Mutter schieben, und zuletzt den Geliebten der Mutter ans Licht bringen. Dieser Vorgang ist ein schwerer und schrecklicher.

Schließlich stehen 45 Jahre eines gemeinsam zugebrachten Ehelebens auf dem Spiel. An dieser Stelle wird die Haltung des Therapeuten auf eine Probe gestellt. (S.127)Er darf nicht so tun, als ob es nicht mehr möglich wäre, den Kontakt zwischen den Ehepartnern wieder zu schienen. Er muß das unmöglich Scheinende zumindest für ein bisschen Möglich erachten, der Familie Mut machen.   Was sagt der Glaube dazu? (S.

128)Es gibt ein Wort Gottes an dem sich beide Familien, wie an einem Seil entlanghanteln können. „Du (Jesus) hast den Guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Dies wirkte Jesus- als Anfang der Zeichen- zu Kana in Galileä. Und auferschien SEINE Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an IHN“ (Jo, 10.11).

(S.129)So kommen sie vor die Frage, ob sie SEINE Herrlichkeit schon erfahren haben. Und so werden sie auch Schritt für Schritt zur Frage vorkommen, wo es ihnen allen „an Wein mangelte“. Jetzt hängt alles davon ab, ob es möglich ist, die Pracht des Weinkruges zu spüren. Eine sinnliche Erfahrung die mit einer Erfahrung der Bindung durch erotische Liebe einhergeht. Diese Bindung ist für Jesus mit dem „Uranfang“ verknüpft, aus dem Sekunde für Sekunde das Ereignis einer familiären Partnerschaft entspringt.

(S.130)Deshalb muß der Mystagoge den Familien helfen, zu diesem „Uranfang“ vorzustoßen. So zeigt sich dann, dass „Unauflöslichkeit“ etwas ist, das im Laufe eines Lebens verstanden werden muß. Es ist wie ein Licht, dem die Familien folgen können. (S.131)Dafür benötigen die Zeit.

(S.132)Wie immer die Lösung der Familienprobleme sein wird, auf jeden Fall werden Margit und Helmut und auch das Elternpaar, irgendjemandem etwas schuldig bleiben. Worum es wirklich gehen wird, ist die Schulden auszugleichen, um Vergebung zu bitten und eine gute Lösung im spirituellen Sinne zu suchen. (S.133)Erleichtert dürfen sie für das Risiko einer Trennung bereit sein. Schließlich sind drei Familienmitglieder krank und die beiden Männer in Gefahr.

  E. Problemfelder der Kirchenkrankheit   Von der Jungfräulichkeit bis zum Pflichtzölibat der Kleriker   8. Beispiel:Leiden statt Lieben! Luise Rinsers Gratwanderung mit P. Rahner (S.135)Luise Rinser, eine bekannte katholische Schriftstellerin, liebte zwei Ordenmänner, die zugleich Priester waren. Einer war ein Benadiktinerabt, den sie M.

A, nannte. Der andere war der weltbekannte Konzilstheologe Prof. Karl Rahner. (S.136)Eines Tages erhielt Rinser von einem Moraltheologen die Einladung, in einem Sammelband, etwas „die Askese der Frau“ zu schreiben. Da Rahner der Co-Autor des Sammelbandes war, konnte sie ihn um Hilfe bitten.

(S.137)Sie trafen sich zum Essen im „grauen Bären“. Es folgte ein theologisches Gespräch. Es war eine Zeit Rinsers tiefen verworrenen Leiden um ihren damaligen Liebhaber M.A. Rahner fragte: „Ist diese Liebe exclusiv?“- Rinser sagte ja.

Unter dieser Antwort litt Rahner später, da er wusste, dass es einen Man gab, den Rinser „exclusiv“ liebte. (S.138)Rahner tauchte in einem Moment auf, in dem der dritte, M.A, Rinser entsetzlich quälte, und sie von seiner klerikalen Vergangenheit eingeholt zurückstieß, um sich ihr anschließend wieder zu nähern. Da kam Rahner und gab Rinser das was der andere ihr vorenthielt: Wärme, scheue Zärtlichkeit. Doch schließlich brach die dünne Eisdecke ein, die sich über der Beziehung Rinser-M.

A gebildet hatte, und sie sah, dass sie nur ihn „exclusiv“ lieben konnte. Rahner erlebte die Höllen einer verzehrenden Eifersucht. Auch Rinser litt, und bekam Migräne und Depressionen. (S.139)Rinser erfand immer neue theologische Begründungen, für dieses Dreieck, das sie alle gebunden hielt. Seltsamerweise ging es darum, wer von Gott mehr zu leiden auferlegt bekommen habe.

  Was sagt die Therapie dazu? (S.140)Wieso hielt Rinser einem literarisch abgekürzten Gespenst- M.A so unverbindlich die Treue? Sie war alles andere als menschlich naiv. (S.141) Es hängt mit Rinsers Einsicht in eine Fehlentwicklung im Zusammenhang mit einer europäischen Fehlentwicklung zusammen. Sie betrifft das Zentralsymbol für die kirchliche Sexualmoral.

„Jungfräulichkeit und Zölibat!“. Diese Einsicht hat persönliche Folgen für sie.: Die gesamte Qual der der unerfüllten Liebe beruht auf diesem Zentralsymbol. (S.142)Auch sie selbst erkennt das: „Der Zölibat gehört wesentlich in eine historische Epoche, in der man Welt und Gott trennte. Jungen Menschen zum Zölibat raten würde ich nie.

“ (S.143)Wie mit einer solchen Einsicht innerhalb einer Kirche leben, die nach wie vor den Zölibat höher wertet als die Ehe? Die Diagnose zeigt, dass in Luise selber der Zwiespalt des ungelösten Jahrtausendproblems Zölibat steckt. (S.144)So tut Rinser schließlich, was seit Jahren auch die Kirche tut: Sie weiß intellektuell, dass sie einen historischen Irrweg beschreitet, aber sie tut so, als ob dieser Irrweg mit den höchsten Mysterien des Christentums zu tun hätte, mit dem Kreuztod Jesu. Vor die Entscheidung gestellt, Konsequenzen aus ihrer Einsicht zu ziehen, bleibt schließlich alles beim Alten.   Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.

145)Rinser wurde kirchlich mit viel Autorität, viel Papst und viel leidensvoller Glaubenspflicht erzogen. (S.146)Rinsers Thesen zu Jungfräulichkeit und Zölibat verraten jedoch Lebenserfahrung, geschichtliche Kenntnisse und eine Perspektive für die Zukunft. Diese beiden gegeneinander ausgespielten Pole verhindern eine Entscheidung. Die konkrete Liebe Rahners anzunehmen und dafür die zölibatär irritierte des M.A zurückzuweisen hätte eine Konsequenz der Deckungsgleichheit zwischen Einsicht und Handlungsweise sein können.

Das hätte die Spannungen reduzieren geholfen. Wenn alle drei „litten“, so waren es drei zu viel. Die Therapie hätte eine Lösung mit weniger Leiden mit sich gebracht. (S.147)Vielleicht geraten sie dann in eine Zone, die auch leidvoll ist. So wenn die Kirchenöffentlichkeit protestiert.

Aber dann wäre das Leid durch die Situation begründet. Neurotisch entstandene Leiden, werden im Gegensatz dazu nur allzu leicht Gott zugeschoben. Als ob er den Menschen Neurosen auferlegen würde. Das stempelt Gott zum Sadisten.   Was sagt der Glaube dazu? (S.149)Jahrtausende lang versuchten Menschen durch die Schmerzen der Opfer und der Opfernden „spirituelle“ Energie anzusammeln.

Jahrtausendelang schoben sie ihre negativen Handlungen einem Sündenbock zu, den sie töteten, um von ihm Entschuldung zu bekommen. Das Zölibat ist ein gutes Beispiel dafür. Bis heute macht es den Menschen und auch der Kirche Mühe, die „Opferei und Sündenbockproduktion“ endgültig einzustellen. (S.150) Priester die heiraten, eignen sich seit jeher hervorragend als Sündenböcke. Rahner und auch M.

A müssen das gespürt haben. Wenn aber keine Opfer Priester mehr nötig sind, dann ist Erotik als spiritueller Weg möglich. Auch spürten sie: Entscheiden sie sich für ein Leben in offen vollzogener Erotik, stünden sie an der Spitze einer Entwicklung, die Einsamkeit mit sich bringt. Man kann das Gewicht einer derartigen Entscheidung verstehen. (S.151)Auch müssen die bedrohlich falschen „Gottessätze“ revidiert werden.

Gott will wirklich nicht, dass M.A, Rinser und Rahner leiden. Gott will eben auch keine „Gewissensbisse“, die ungeklärterweise zur Selbstmarterei anwachsen können.   9. Beispiel:“Du hast mich betört!“Olga im Banne des „himmlischen Jungfräulichkeitsideals“ (S.152)Olga war von Jugend an katholisch gewesen.

Ihr Vater, selbst Nazi, kehrte nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr nach Hause zurück. Gottgläubig sei er gewesen, sagte man. Aber wo war er geblieben? War er im Himmel? Olga war dem „Ideal der Jungfräulichkeit um des Himmelreichs willen“ ergeben, vielleicht sogar verfallen. Sie begann von Mönchen und Nonnen zu schwärmen, las bei Bruder Pierre-Marie in der „Geistlichen Lebensregel der Jerusalem- Gemeinschaften“, eine französische Ordensgründung, folgende weise Sätze: (S.153) „Der lebendige Widerstreit von Fleisch und Geist reicht tief in dein Wesen.

...bejahe diesen Streit“ oder (S.154) „Einem einzigen bist du verlobt, damit du als reine Jungfrau vor Christus geführt werden kannst. Deswegen hat der Herr DICH BETÖRT, und deshalb hast du sich betören lassen.

Sie versuchte dem Ideal nachzuleben und scheiterte mehrmals. Weder in ihrer Lehrtätigkeit noch in den Pfarrgemeinden hielt es sie lange. Sie wurde zuletzt manisch- depressiv, um schließlich in einer Phase manischen Glücks mit ihrem Auto direkt an einer Begrenzungsmauer tödlich zu verunglücken.   Was sagt die Therapie dazu? (S.155)Warum scheiterte Olga so schrecklich? Es ist möglich, dass ihr radikaler Versuch, sozusagen 1:1 diesem Ideal nachzuleben, scheitern musste. Vielleicht konnte sie der Kraft dieses Ideals nicht standhalten? (S.

156)Um Olga und ihr Schicksal besser verstehen zu können, bedürfen wir eine genauere Kenntnis der „himmlischen Jungfräulichkeit“. (S.158) Sie basiert auf der Erkenntnis der einstigen Kirchenväter, dass die Taufe nicht imstande war, sexuelle Impulse auszulöschen. Lebenslang mussten sie niedergerungen werden. „Jungfräulichkeit war offenbar einem erlittenen Martyrium gleichgesetzt und wurde hoch verehrt. Schließlich wurde der jungfräuliche Leib eines Mädchen zum Quasisakrament.

Doch diese „himmlische Jungfräulichkeit“ führt vor allem in schwere Widersprüche, die als Spannung fühlbar sind (4 Widersprüche): (S.159)Der zitierte Text der Gemeinschaft beschreibt das gesamte erotische Gebiet mit Ausnahme der genitalen Zeugung. (S.160)Wieso die reale erotische Liebe unwahrer sein soll als die durch Enthaltsamkeit erreichte, soll verstehen, wer es kann. Therapeutisch nennt sich so etwas „zudeckende Zweckbehauptung“. Aus der „keuschen Kühle“ des Taufbrunnens entsteigen die neuen Kinder der Kirche.

Sie setzt sich durch Taufe fort, nicht durch Zeugung. Tatsächlich haben alle Bischöfe immer auf ein Netzwerk fruchtbarer Familienhaushalte geachtet. Sonst wäre die Kirche ausgestorben. (S.161)Der Menschenkörper soll seine endgültige Vollendung in einer Weise finden, die nicht mit Penis und Vagina zutun hat. Doch kann ein Körper auferstehen ohne sexuell bestimmt zu sein.

Muß man nicht doch im Himmel „heiraten“, um ewig selig sein zu können. Obwohl der Mensch ein sichtbares Ausruckswesen ist, wird der jungfräuliche Körper der Mönche und Nonnen in schwarze Gewänder gehüllt. Denn Schönheit ist gefährlich! (S.162)So werden immer weitere Teile des gesellschaftlichen Lebens in deprimierte Gestimmtheit gefasst. (S.163)Und wo keine gelebte Erotik, dort kein lebendiges Leben! Das muß alles vorausbedacht werden, um verständlich zu machen, dass Olga in diesen Widersprüchen verfangen hin und her tobte- bald depressiv gegen sich selbst wurde.

Eingezwängt in die Bahnen und Strukturen ihres Ideals blieb ihr nur der Tod als Ausweg. Ihr Tod war eine Erlösung.   Welche Therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.164)Die therapeutische Arbeit hätte mit helfenden Fragen auf das Hier und Jetzt des Geschehens beginnen können: „Was ist jetzt bei Ihnen? Was erleben Sie gerade?“. (S.165)Sodann gälte, es, die Idealisierung der Jungfräulichkeit zum Thema zu machen.

Denn neurotische Menschen quälen sich mit der steten Unerreichbarkeit des Ideals, dem sie nachstreben, auch Olga. In ihrem Inneren spielt sich dann ein energieverzehrender, aussichtsloser Kampf ab. Eine Entneurotisierung Olgas wird schwierig. Denn wenn eine Zone entneuerotisierten Bewusstseins spürbar wird, kommen auch die früheren Wunden zum Vorschein. Vor allem die Geschichte mit Olgas Vater, der im Krieg gefallen war. (S.

166) Die Vermischung von „Vater“ und „Gott“ ruft nach einer klärenden Entmischung. Olga wird den Tod ihres Vaters zulassen müssen. Sie hielt in bisher phantasiemäßig am Leben. Olga muß die Wahrheit aber in sich eine Chance geben, wenn sie die Balance zwischen Himmel und Erde in sich halten will. (S.167)Die Betörung durch den liebenden Gott im zitierten Text, ist weiters tatsächlich eine Betörung von Olgas Kontrolle und Handlungsfähigkeit.

Ihr „liebender Gott“ kann sie also nicht betört haben. Olga betörte sich selbst, um nicht den schmerzlichen Verlust durch den Tod des Vaters spüren zu müssen. Deshalb muß sich die Therapie der Wiederherstellung ihrer Nüchternheit und Unterscheidungsfähigkeit widmen. Das könnte auch den Zugang zu Olgas stillgelegter Sexualität öffnen. (S.168)Wenn Olga sehen könnte, dass niemand (auch nicht der tote Vater) etwas von ihrer „himmlischen Jungfräulichkeit“ hat, besteht die Chance, dass sie ihr eigenes Leben auch wirklich in die Hand nimmt.

  Was sagt der Glaube dazu? (S.170)Das Erbe der „Jungfräulichkeit um des Himmelsreichs willen“, ist die Frucht einer Betörung durch Gott. Oder vielmehr „Berufung“! Die nicht nur für Olga wichtige Frage ist die nach der Form, in die so eine „göttliche Betörung“ gegossen werden soll. Kirchlich-spirituelle Lebensformen gibt es zahlreiche. Man muß nur an die offiziellen Orden denken. Diese Formen stützen und sichern, Menschen, wenn sie einem spirituellen Ruf folgen wollen.

Denn es gibt gefährliche Zonen, die anlässlich eines „Aufstieges zu Gott“ zu passieren sind. (S.171)So eine Begleitung durch Mitchristen oder Seelsorger hätte Olga bitter nötig gehabt. (S.172)Außer von den gefährlichen Zonen, wissen wir noch von einer „Zone der Täuschungen“, auf dem Weg zu Gott. Sie versucht, täuscht und gaukelt dem Bewusstsein die große Banalität als größte Erleuchtung vor.

Wie können also andere Menschen und Olga, eine Pseudoerleuchtung von einer echten unterscheiden. Eine „Unterscheidung“ der Geister also. Hier einige Anhaltspunkte: Authentische spirituelle Erfahrung ist immer von leiser, sanfter Art- Sie fasziniert nicht wie ein Blitz, sonder leuchtet beständig. (S.173)Sie tritt nicht fanatisch auf, sondern lässt neben sich viele Wege gelten. Wo immer und wie immer möglich dient sie dem Leben.

  10. Beispiel:“Das Priestertum ist doch etwas Homosexuelles!“ Georgs Suche nach einer öffentlichen Lebensform für seine geheime Neigung (S.175)Georgs Vater war ein glücklicher Eisenbahner und wohnte mit Frau und zwei Söhnen in einer Eisenbahnersiedlung. Jeder kannte jeden. Plötzlich war es heraus: Georgs Vater war homosexuell. Er wurde zum Außenseiter.

Georg musste die Schule wechseln. „Eine typische schwarze Brut, waren die schon immer“, hieß es. Die Mutter war entsetzt und entehrt. Ein Mann als Nebenbuhler? Ihre beiden Söhne sollten die Schande wieder gutmachen. (S.176)Sie hatte alles Zusammengesparte aufgeboten, um Georg in ein Knabenseminar eines Stiftes zu schicken.

Sein Vater war für Georg ab diesem Moment gestorben. „Das Seminar ist jetzt deine Heimat, Georg!“ Der hochwürdige Herr Regens drückte den Neuen an die Brust und trocknete seine Tränen. „Wir sind eine große Gemeinschaft.“Georgs Leben lief wie in Geleisen dahin. Ab 6 Uhr Morgens. (S.

177)Es galt die heilige Keuschheit zu bewahren, bescheiden, unauffällig und gehorsam zu sein. Georg war alles das geworden. Eines Tages bekam Georg Durchfall. Einmal musste er in aller Eile in die Toilette des Herrn Spirituals eilen. (S.178) „Ein wunderbar-verrückter Ort“, sagte er später.

Als ob sich in einem Raum alles an Atmosphäre in den Seminarblock ergießen würde. Alle vier Wände waren mit Heiligen volltapeziert. In dieser Stunde entschloß er sich im Seminar zu verbleiben, und Priester zu werden. Er fuhr in den Geleisen weiter. (S.179)Er wurde Domorganist.

Der Knabenchor wurde ihm zum Verhängnis. Doch als er sich dabei ertappte einen Knaben auf den Mund geküsst zu haben sagte man ihm .“Kein Problem. Es bleibt in der Familie“. Ah ja! Das wars! Das Priestertum ist doch irgendwie etwas Homosexuelles. Und so kam es, dass Georg eine Art Heimat im Klerus fand, und sicher gegen alle Einbrüche des Weiblichen abgesichert war.

Die Mutter war zufrieden.   Was sagt die Therapie dazu? (S.180)Georgs Versuch, für seine homosexuelle Neigung einen anerkannten Ort zu finden, hat sich im Klerus erfüllt. Die offene Frage ist die Nach Georgs wirklicher Lebensgestalt. Welche sollte er persönlich eigentlich verwirklichen. Das Knabenseminar war mit einem Drucktopf zu vergleichen: Alles was triebmäßig und entwicklungsbedingt zum Ausdruck kommen sollte, wurde durch Abschirmung zusammengedrängt.

(S.181)Doch für Georg verhieß es höchste Glückseligkeit auf der Basis persönlicher Betäubung. Die Möglichkeit ein Problem nicht zu lösen. Nämlich die ihm selbst gelegte Verfügung über sein Leben: die Frage nach seiner Männlichkeit, seiner Liebe, dem Verhältnis zu Frauen.   Welche Therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? Georg muß von den eingefahrenen Geleisen wegkommen. Denn ein Mensch der auf längere Dauer sehr weit weg von der eigenen, inneren Wahrheit lebt, wird krank.

(S.182)Die Therapie würde also an jener Stelle nach der eigenen Wahrheit fragen. Sie würde die Introjekte (hineingefressene Autoritäten) suchen, und dafür sorgen, dass sie wiederum herausgegeben werden. Falls das möglich ist, entsteht ein freierer, handlungsfähigerer Georg.   Was sagt der Glaube dazu? Die Ineinandersetzung von menschlicher Verirrung und göttlicher Verordnung ist aufzulösen. Dazu ist notwendig, dass der Glaube die realen Fakten beim zutreffenden Wort nimmt.

Ein Vorschlag dazu könnte sein: (S.183)Die Mißachtung des Vaters ist keine Basis, ein „Vaterunsergebet“ zu sprechen. Es gibt kein katholisches Opferpriestertum. Jugendliche einer Seminarwelt ohne Mädchen, ohne Eltern, aber dafür Gruppendruck auszusetzen ist pädagogisch kriminell. Seminare mit Zölibat und Sexualmoral führen zu wollen heißt vorsätzlich Missbrauch zu produzieren.   Heuchelei als Symptom der Kirchenkrankheit   11.

Beispiel:“Mir ist der Mund offen stehengeblieben.“Auf der Suche nach der „Wahrheit darunter“ (S.184)Linda hatte ein Stipendium in Rom. Nach dem Empfang geleitete sie ein Jesuit durch die Stadt und sie kamen auch in die Via Sistina. Da sagte der Jesuit:“Du bist nun erwachsen genug“. Er wies auf drei Häuser und sagte weiter: Dieses hier ist ein Puff für Kardinäle, dort eines für Monsignore, und jenes ist für gewöhnliche Geistliche.

“ Linda war entsetzt. „Ich glaube. Dass die derzeitige Kirchenkrise vorwiegend von der Heuchelei hervorgerufen wurde.“Warum müssen Priester im Zölibat leben, wenn Gott die Sexualität geschaffen hat?   Was sagt die Therapie dazu ? (S.185)Der Schaden den die Heuchelei anrichtet, ist die Differenz zwischen der faktischen Wahrheit und eines darrübergebreiteten Bildes. Die Therapie zeigt, dass sie Ursache für weitere psychische Schäden sein kann.

  Welche therapeutischen Möglichkeiten gäbe es? (S.186)Die Grundmöglichkeit der Therapie ist die Erfahrung der Wahrheit. Dieser Vorgang ist zum Thema zu machen. Sich in der therapeutischen Arbeit der realen, faktischen Wahrheit zu nähern, diese zugeben und dazu Stellung nehmen ein Gesamtvorgang.   Was sagt der Glaube dazu? (S.187)Die drei Bordelle heucheln einem Kirchenbild zuliebe.

Es geht davon aus, dass Erotik und Spiritualität einander ausschließen. (S.188)Doch die Folgen eben dieses Zölibats zeigen, dass Verleugnung einer so kostbaren Realität, wie sie Erotik ist, kein belangloses Risiko darstellt. (S.189)Der Glaube weiß

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